Libération - Frankreich | Freitag, 26. Oktober 2012
Frankreichs Sozialstaat der Zeit anpassen
Um Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, hat Präsident François Hollande eine Reform der Unternehmensbesteuerung in Aussicht gestellt. Bei der unsachlich geführten Diskussion darf man das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verlieren, mahnt die linksliberale Tageszeitung Libération: "Das ganze Land, oder zumindest seine Elite, die stets am lautesten schreit, will einen 'Ruck in der Wettbewerbsfähigkeit'. Einen brutalen! Einen tiefen Einschnitt! Er soll möglichst weh tun! Als ob man sich nach der Einführung der Reichensteuer jetzt an den Armen austoben und sie ihrerseits zur Kasse bitten müsste, wie um eine Ungerechtigkeit wieder gut zu machen. ... Die Experten sind wie immer zutiefst uneinig, die Konservativen haben Maximalfantasien und die Linken Maximalängste. Kurz gesagt: Es ist eine von diesen Debatten, wie Frankreich sie liebt. Der eigentliche Punkt droht dabei jedoch unterzugehen: Es geht darum, einen Teil des französischen Sozialstaatsmodells zu überdenken und ein System der Rechte und Pflichten zu erfinden, das dem Kapitalismus des 21. Jahrhunderts entspricht."
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