Der Standard - Österreich | Mittwoch, 14. November 2012
Der IWF hat bei Griechenland leicht reden
Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde streiten über den Zeitplan für Griechenlands Schuldenabbau und einen möglichen zweiten Schuldenschnitt. Kein Wunder, bemerkt die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Der IWF tut sich leichter, Wahrheiten offen auszusprechen. Das hat weniger mit einer moralischen Überlegenheit als mit den Rechenschaftspflichten zu tun: IWF-Entscheidungen werden hinter verschlossenen Türen gefällt. Die Politiker der Eurozone sind hingegen ihrem Wahlvolk verantwortlich und müssen den Umgang mit Steuergeldern rechtfertigen. Noch wichtiger: Der IWF hat leicht reden, denn er trägt nie Verluste aus Programmen. Über diese gängige, aber nirgendwo festgeschriebene Praxis ließe sich durchaus diskutieren. Aber dafür müssten die Europäer erst das Terrain aufbereiten, indem sie die Karten auf den Tisch legen und beginnen, der Öffentlichkeit zu erklären, dass die an Athen ausbezahlten Kredite nie voll zurückgezahlt werden. Die Zeit drängt. Der Letzte zahlt die Zeche."
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