Le Monde - Frankreich | Montag, 27. November 2006
Der Papst besucht die Türkei
Für den Religionsexperten Henri Tincq hatte die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. "das Verdienst, die Debatte über den Glauben und die Vernunft und das jeder Religion eigene Gewaltpotenzial neu zu beleben. Die muslimischen Intellektuellen haben sich ihrer angenommen... Für sie ist es kein Tabu, den 'Itjihad' neu anzustoßen, das heißt die Interpretation der heiligen Texte zu revidieren... Die Papstreise in die Türkei bedeutet Risiko und Chance zugleich. Ein Risiko, weil sich die Spannungen verschärfen könnten, falls Benedikt XVI. erneut als provozierend empfundene Äußerungen macht und die islamischen Nationalisten ungnädig reagieren. Aber auch eine Chance für eine neue Verständigung zwischen dem Islam und dem Christentum in einem säkularen islamischen Land, dessen Geschichte im 20. Jahrhundert gezeigt hat, das es trotz Krisen und Repression zu einer Demokratie (der starken Hand) und einem laizistischen Staat heranwachsen konnte."
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