Sme - Slowakei | Donnerstag, 1. Februar 2007
Miroslav Kusy über die Charta 77 und die Slowaken
Die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 sei hauptsächlich eine tschechische Angelegenheit gewesen, meint der slowakische Politologe und frühere Chartist Miroslav Kusy. Er begründet diese Tatsache mit der inhaltlichen Ausrichtung der Charta 77. "Sie nahm in gewisser Weise den tschechischen Standpunkt aus der Zeit des Prager Frühlings 1968 auf: 'Zuerst kommt die Demokratisierung', dann alles andere. Weder im Gründungsdokument noch in den nachfolgenden Erklärungen der Charta findet sich auch nur ein Wort zu den slowakisch-tschechischen Beziehungen und zu den Problemen, die aus der Entstehung einer Föderation sowjetischen Typs (1968) erwuchsen. Für die Slowaken hatte die Lösung der slowakisch-tschechischen Frage aber Priorität. Ein weiterer empfindlicher Punkt war die Vertretung der Slowaken in der Führung der Charta. In all den Jahren ihrer Existenz hat man sehr genau auf den Proporz zwischen Exkommunisten, Kirchenvertretern und bürgerlichen Dissidenten geachtet. Auf eine proportionale Vertretung der Slowaken jedoch nicht."
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