Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 3. Januar 2006
Putin und seine Energie-Waffe
Reinhard Meier glaubt nicht, dass Russlands Erpressungspolitik gegenüber der Ukraine darauf ziele, das Land für seine Orange Revolution abzustrafen, sondern vermutet langfristigere Ziele: "Moskau ist offenkundig bestrebt, die Gaspipelines, durch die der Löwenanteil der nach Europa exportierten Energielieferungen fließt, ganz oder wenigstens teilweise in seinen Besitz zu bringen. Im Falle Weißrusslands hat der Kreml dieses Ziel vor kurzem erreicht. Auch der weißrussische Diktator Lukaschenko sträubte sich zunächst gegen eine Beteiligung von Gasprom an der durch sein Land führenden Pipeline. Dann drehte der russische Lieferant 2004 vorübergehend den Gashahn zu - und Lukaschenko willigte ein, die Beltransgas-Leitung an Gasprom zu verkaufen. Wer nicht nur die begehrten Energieträger Gas und Öl besitzt, sondern gleichzeitig auch noch Pipelines kontrolliert, verfügt grundsätzlich über stärkere wirtschaftliche - und damit potenziell auch politische - Einflussmöglichkeiten gegenüber den Abnehmerländern."
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