Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 23. Mai 2007
Die Geheimdienst-Vergangenheit von Ryszard Kapuscinski
Korrespondent Ulrich M. Schmid ist nur wenig beeindruckt von der Enttarnung des kürzlich verstorbenen Starreporters Ryszard Kapuscinski als Geheimdienstzuträger durch das polnische Magazin Newsweek. "Damit setzt 'Newsweek' die ebenso lange wie fruchtlose Tradition polnischer Blätter fort, Prominente mit ihrer kommunistischen Vergangenheit zu konfrontieren. Die Aufregung gleicht jeweils einem Sturm im Wasserglas: Die Informationen, die an den Geheimdienst weitergegeben wurden, waren meist belanglos und schadeten niemandem... Auch in Kapuscinskis Fall gibt es wenig Gehaltvolles zu vermelden: Als er 1962 seine Tätigkeit als Afrika-Korrespondent der polnischen Presseagentur aufnahm, erhielt er vom Geheimdienst den Auftrag, über amerikanische Aktivitäten auf dem Schwarzen Kontinent zu berichten. Ein solches Doppelmandat war in der kommunistischen Volksrepublik Polen die Regel: Wer Reiseprivilegien nutzen wollte, musste sich zur Zusammenarbeit mit den Organen bereit erklären."
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