Der Standard - Österreich | Mittwoch, 11. Juli 2007
Polnische Regierungskrise übertüncht anderen Skandal
Die aktuelle Regierungskrise in Polen ist abgewendet, die populistische Samoobrana wird vorerst in der Regierungskoalition bleiben. Adelheid Wölfl glaubt, dass Premierminister Jarosław Kaczyński (PiS) mit der Entlassung seines Vizepremiers Andrej Lepper eigentlich einen anderen Skandal überspielen wollte: Pater Tadeusz Rydzyk, Gründer des erzkonservativen Radio Maryja, hatte Staatspräsident Lech Kaczyński als der "jüdischen Lobby ergeben" bezeichnet. Wölfl kommentiert: "Eine Regierungskrise wegen des Linkspopulisten [Lepper] kommt den Kaczyńskis allemal mehr entgegen als ein Skandal um den antisemitischen Pater. Die Regierungskoalition verliert zwar ohne die Selbstverteidigung [Samoobrana] die Mehrheit im Parlament, doch die Umfragen für die Lepper-Partei schauen nicht gut aus. Für die Partei ist es daher besser, in der Regierung zu bleiben, auch wenn ihr Chef entmachtet wird... Aber auch falls die Samoobrona die Koalition doch verlässt und es zu Neuwahlen kommt, haben sich die Kaczyński nicht viel vergeben. Denn am Ende brauchen sie eher die Unterstützung des Paters. Ganz einfach deswegen, weil hinter Radio Maryja etwa fünf Millionen Polen stehen und Rydzyks Medienimperium die Zwillinge im Wahlkampf 2005 offen unterstützte."
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