Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Freitag, 31. August 2007
Richard Wagner über den Antisemitismus der Ostmitteleuropäer
Der Schriftsteller Richard Wagner erklärt, warum es für die Ostmitteleuropäer so schwer ist, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen: "Es ist Schicksal, aber auch modus vivendi von sogenannten kleinen Völkern, sich mit Okkupanten arrangieren und für sich selber das Beste aus der Situation machen zu müssen. Kleine Völker haben eine Okkupationsverhaltensstrategie. Für sie verschwimmen bisweilen Kollaboration und Patriotismus, geht es doch ums Überleben der Nation, ums Ganze. Es ist bezeichnend, wie geräuschlos Antikommunisten und Ex-Kommunisten im Slowenien der neunziger Jahre miteinander umgingen. Das aber macht ihnen die Sache moralisch oft zu einfach: Die Ostmitteleuropäer neigen dazu, das Böse bei den Großmächten zu orten. So fällt es ihnen nicht schwer, sich herauszureden, sogar bei ihrer Beteiligung an der Judenvernichtung. Dabei hätte, ohne die einheimischen Kollaborateure, das Personal der Nazis gar nicht ausgereicht, um die Vernichtung der Juden durchzuführen. Die Nazis haben zwar den Holocaust in die Wege geleitet, den Antisemitismus haben sie aber nicht erfunden."
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Religion, » Geschichte, » Weltanschauung, » Mitteleuropa, » Osteuropa
Alle verfügbaren Texte von » Richard Wagner
» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 31. August 2007