Delo - Slowenien | Montag, 6. Oktober 2008
Ana Ješe über die Rolle der EU in Bosnien und Herzegowina
Ana Ješe, Professorin für Osteuropäische Studien an der Universität von Bologna, appelliert in ihrem Gastkommentar an die EU, sich in Bosnien und Herzegowina verstärkt für eine positive politische Entwicklung einzusetzen. ''Eines der Hauptprobleme des Staates Bosniens und Herzegowina ist seine Verfassung, die Teil des Daytoner Abkommens ist. Das Problem ist, dass der Vertrag von drei Staatsführern abgeschlossen wurde, Izetbegović [Bosnische Muslime], Milošević [Serbien] und Tuđman [Kroatien]. ... Das bedeutet, dass sie einen Kompromiss geschlossen haben, der ihrem Appetit nach Gebietsansprüchen entsprochen hat und keiner darüber nachgedacht hat, ob er in der Praxis [auch] funktioniert. ... Viele Politiker sind sich einig, dass ohne die USA eine Lösung des Problems unmöglich ist ... Das ist ein Signal für die EU, alles zu tun, um die bosnischen Reformisten zu unterstützen. ... Die EU will das Schicksal ihres zukünftigen Mitgliedlandes sicherlich nicht den Russen und den USA überlassen. Der Balkan ist schließlich ein europäisches Interessensgebiet und hier muss Europa klar Stellung beziehen. Angesichts der Tatsache, dass Bosnien und Herzegowina und die EU in diesem Jahr das Stabilitäts- und Assoziierungsabkommen unterzeichnet haben, müsste die EU als Vermittler bei der Diskussion um eine Verfassungsreform agieren – die zukünftige EU Mitgliedschaft könnte ein Ansporn für ein schnelleres Übereinkommen sein. Außerdem muss die EU das Mandat des hohen EU-Vertreters in Bosnien und Herzegowina beibehalten, da der junge bosnische Staat ... einen Vermittler zwischen den verschiedenen Interessensgruppen braucht."
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