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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | Dienstag, 4. April 2006

Andrzej Stasiuk über das westliche Desinteresse an Osteuropa

Enttäuscht von ausgebliebener westlicher Hilfe für die Opposition in Weißrussland greift der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk die Westeuropäer für ihr Desinteresse an den EU-Sehnsüchten der Osteuropäer scharf an: "Wozu braucht Europa Weißrussland (das gibt es doch eigentlich gar nicht wirklich)? Wozu braucht es die Ukraine, die verräterische? Nimmt erst Solidaritätsbekundungen, Decken, Schlafsäcke und Fernsehteams aus der ganzen freien Welt entgegen und macht dann in einem Jahr - einem ganzen Jahr!!! - keinerlei Anstalten, dem Großfürstentum Luxemburg ähnlicher zu werden. Bei dieser Masse von Schlafsäcken und Kamerateams durfte der Westen doch erwarten, dass die Ukraine es wenigstens versucht. Wozu braucht Europa Bosnien-Hercegovina? Die wollen sich ja bloß gleich wieder teilen. Und wozu - schreckliche Vorstellung - Serbien mit seinem umständlichen Alphabet und seiner angeborenen Blutrünstigkeit?... Europäer ist, wer sich zu den europäischen Werten bekennt und um sie zu kämpfen versteht. Wer die eigene Freiheit und das Leben dafür riskiert. Wenn andere Kriterien für das Europäertum gelten sollen, können wir den alten Kontinent vergessen."

» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 4. April 2006

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