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La Vanguardia - Spanien | Montag, 13. Oktober 2008

Màrius Serra über Sarkozys Kapitalismus-Konzept

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat sich für einen "ethischen Kapitalismus" ausgesprochen. Die spanische Tageszeitung La Vanguardia betrachtet die wirtschaftspolitische Wende, die hinter dieser Wortschöpfung steht: "Sarko ist ein Sprachschöpfer, ohne Neologismen anzuwenden. Er folgt eher der Definition Borges, 'Wörter zusammenzufügen, die niemals zusammenstanden'. Bislang sind die beiden ersten Schöpfungen Früchte der Adjektivierung. In einer Rede vor dem Papst schüttelte er den 'positiven Laizismus' aus dem Ärmel, den er als einen Laizismus definiert, der 'respektiert, vereint und debattiert, aber nicht ausschließt oder anklagt' und er stellte diesen dem ungewünschten Laizismus gegenüber. Wenige Wochen später hat Sarkozy angesichts der Ausmaße der Weltwirtschaftskrise erneut adjektiviert, um den Kapitalismus neu zu definieren. Jetzt schlägt er einen 'ethischen Kapitalismus' vor, den er als 'Ende des laissez faire' versteht und als einen Kapitalismus, der auf 'ethischen Grundlagen neubegründet' werde. Es handelt sich um eine Kehrtwende der reinsten Art, denn ein Blick in das Wahlprogramm, das ihn zum Präsidenten machte, reicht um zu erkennen, dass der einzige Gott, demgegenüber sich der Kandidat Sarko nicht zum Laizismus bekannte, der Markt war. Unberührbar, heilig und fähig sich selbst zu steuern, ohne probiotische Bifiduskulturen zu nehmen. Selten hat man eine schnellere und vollkommenere Kehrtwende gesehen. Sarko wollte den freimütigen Markt, als alles gut lief, und jetzt, da es schlecht läuft, möchte er regulieren."

» zur gesamten Presseschau vom Montag, 13. Oktober 2008

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