La Repubblica - Italien | Montag, 3. November 2008
Bernardo Valli über die Lektion der Obamania
Die Europäer würden zwar für Obama stimmen, wenn sie könnten. Aber Bernardo Valli kann sich in der Tageszeitung La Repubblica kaum vorstellen, dass in Europa ein Regierungschef gewählt werden würde, der einer ethnischen Minderheit angehört. "Ein deutscher Kanzler türkischer Herkunft? Ein Senegalese französischer Staatspräsident? Ein britischer Premier pakistanischer Abstammung? Da siegt die Skepsis der Europäer. … Seit einigen Jahren ist das Amerika-Bild getrübt. Die Ära Bush hat Amerika in die Depression getrieben, aus der eine neue, dynamische Gesellschaft eine Ausweg sucht. Das Phänomen Obama trifft Europa , weil es die europäische Unbeweglichkeit vor Augen führt. Diese fußt auf Misstrauen und auf der Angst vor einer starken, unaufhaltsamen Einwanderungswelle, die die Gleichgewichte ins Wanken bringt. Wir spüren die Starre, die unsere brodelnde Gesellschaft befällt. Eine Gesellschaft, die neue Farben annimmt, die von Menschenströmen durchflutet wird, die nicht leicht zu assimilieren, die aber zugleich Zubringer von neuen unentbehrlichen Kräften sind. Uns lähmt die Angst vor dem Anderen. Amerika, das Land der Immigration schlechthin, erteilt uns eine Lektion. Es lehrt uns, was eine multiethnische, multikulturelle Gesellschaft ist. … Der symbolische Wert des Aufstiegs von Obama, und vielleicht in wenigen Stunden seine Wahl ins höchste Amt der mächtigsten Nation, ist so stark, dass ein so skeptischer und abgeschotteter Kontinent wie der unsrige fasziniert ist."
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