La Repubblica - Italien | Donnerstag, 27. November 2008
Marc Lazar über die Leiden der Linken
Mit Blick auf die Querelen in der französischen sozialistischen Partei (PS) sieht der Politologe Marc Lazar die gesamte europäische Linke an einem Scheideweg. Sie müsse sich neu finden, fordert er in der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Die Mehrheit der PS möchte sich mit Hilfe des klassischen Sozialismus neu orientieren. Dazu gehört, jeden Allianzversuch mit der Mitte, was auf lokaler Ebene Früchte getragen hat, zu stigmatisieren. ... Parallel dazu widersprechen in England die jüngsten Antikrisenmaßnahmen von Gordon Brown der neuen Ausrichtung von New Labour. Die SPD ist für ihre Koalitionspolitik mit der CDU/CSU, den Christdemokraten, bestraft worden und leidet nun unter dem Druck der neuen Linken. Konsequenterweise macht sie jetzt Abstriche von der Agenda Schröder und setzt auf eine 'sozialere' Politik. Anscheinend sind Labour und SPD, Begründer der Revisions- und Erneuerungspolitik der Linken der 1990er Jahre, am Ende jenes Zyklus angekommen, der sich Dritter Weg nannte. ... Sie haben ein Problem mit ihrer Identität, ihrem politischen Projekt, denn sie sind jetzt dazu aufgerufen, ihrem Reformismus oder ihrem Sozialismus einen wahren und bewegenden Inhalt zu verleihen. Die europäische Linke hat viele Wahlniederlagen erlitten, aber sie hat vor allem ihre kulturelle Vorherrschaft verloren. Ihr Engagement sollte dahin gehen, diese wieder zurückzuerobern."
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