Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Donnerstag, 26. Februar 2009
Thomas Urban über polnische Medien in der Patriotismus-Falle
In der Diskussion um das geplante Zentrum gegen Vertreibung in Berlin würden viele polnische Medien und Publizisten einseitig und verzerrend über Deutschland berichten, meint Thomas Urban in der Tageszeitung Süddeutsche Zeitung. "In diese Patriotismus-Falle sind offenbar auch zwei der wichtigsten Blätter geraten: die linksliberale Gazeta Wyborcza und die katholische Tygodnik Powszechny. Beide leisteten in den neunziger Jahren einen wichtigen Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung und schreckten dabei auch nicht vor dem bis dahin tabuisierten Thema Vertreibung zurück. Heute aber scheint dieses Thema auch für sie wieder tabu zu sein, über die von Steinbach durchgesetzte Perestroika im BdV [Bund der Vertriebenen] wurde nie berichtet. Wie im Falle Bartoszewski spricht vieles dafür, dass dieser Schwenk in der Berichterstattung ebenfalls eine Folge der Jedwabne-Kontroverse ist. Denn auch diese beiden Redaktionen betonten den polnischen Anteil an dem Verbrechen und marginalisierten den deutschen, verhielten sich also nach Meinung der konkurrierenden Blätter in höchstem Maße unpatriotisch. Offensichtlich sieht im Bezug auf die Deutschen die Mehrheit der polnischen Publizisten heute nicht eine differenzierte Berichterstattung als oberstes Gebot an, sondern die Verteidigung der Ehre der Nation."
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