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Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Dienstag, 3. März 2009

Thomas Urban über deutsch-polnische Missverständnisse

Thomas Urban schreibt in der Süddeutschen Zeitung, dass in der deutsch-polnischen Debatte um die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach so manches auf der Strecke bleibe. "Die polnische Gesellschaft hat bislang keine Antwort darauf gefunden, dass immer mehr Bundesbürger zwar die deutsche Schuld im Krieg nicht in Frage stellen, aber gleichzeitig kein Verständnis für dieses Opferbewusstsein im heutigen Polen aufbringen. Im Gegenteil: Die Deutschen erwarten Anerkennung dafür, dass sie die Verantwortung für diese düsteren Kapitel der jüngsten Geschichte übernommen haben: Sie haben Entschädigungszahlungen und letztlich auch den Verlust der Oder-Neiße-Gebiete ebenso akzeptiert wie die Bitten um Vergebung, die Bundespräsident Roman Herzog zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstandes 1994 und Bundeskanzler Gerhard Schröder zehn Jahre später ausgesprochen haben. Überdies wurde in Polen nicht vermittelt, dass vor allem die Christdemokraten und die Kirchen die Vertriebenen, die unter Steinbach ihre revisionistischen Positionen aufgegeben haben, in den deutsch-polnischen Dialog einbinden möchten. Die Polen stehen nun wegen dieser Kontroverse in den Augen eines Großteils der deutschen Kommentatoren als eine Gesellschaft dar, die die ausgestreckte Hand der versöhnungsbereiten Mehrheit unter den Vertriebenen, die sich ausgerechnet hinter Steinbach geschart haben, nicht ergreifen wollen."

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