Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Dienstag, 28. April 2009
Slowenien will Kroatien erpressen
Zum Grenzstreit zwischen dem EU-Land Slowenien und dem Beitrittkandidaten Kroatien schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Im Unterschied zu den blutigen Auseinandersetzungen in der Region in den neunziger Jahren geht es um eine balkanische Petitesse. Dennoch sprach Sloweniens Außenminister Samuel Zbogar am Montag bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in martialischem Ton von nationalem Widerstand. Ljubljana pocht auf einen eigenen Zugang zu internationalen Gewässern und beansprucht fast die ganze Bucht von Piran an der Adria für sich. Mit dem Völkerrecht ist dies nicht vereinbar. Grenzen in Buchten werden laut UN-Seerechtskonvention so bestimmt, dass man von Kap zu Kap eine Linie zieht und sie genau auf der Mitte teilt. Davon will die slowenische Regierung nichts hören. Sie missbraucht ihr Vetorecht in der EU, um Kroatien zu erpressen. Hinter dieser Haltung steckt auch die Angst, mit dem EU-Beitritt Kroatiens könnte der Einfluss Sloweniens in Südosteuropa schwinden. Der Konflikt aber gefährdet nicht nur die EU-Aufnahme Kroatiens, sondern auch die Reformen in anderen Balkanländern, die langsam den Glauben an die versprochene Europa-Perspektive verlieren."
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