Postimees - Estland | Donnerstag, 8. Oktober 2009
Alo Raun über die Ängste der Esten
In Estland sorgt eine Debatte über die vereinfachte Einbürgerung von Minderjährigen für Aufregung. Alo Raun hält in der Tageszeitung Postimees die Ängste der Esten für übertrieben: "Warum geraten fast alle Esten sofort in Aufregung, sobald es um die Frage der Volkszugehörigkeit geht? Warum werden alle Experten umgehend als Verräter abgestempelt, wenn sie neue Vorschläge erarbeiten, was für Estland und die Esten vorteilhaft ist? Warum versuchen wir gar nicht erst, uns mit diesen Ideen auseinanderzusetzen? Vermutlich ist es die altbekannte Angst der Esten vor dem Aussterben und der damit verbundene ständige Kampf ums Überleben. … Anders als die Westeuropäer haben wir darum viel mehr Angst davor, dem Nachbarn [im Haus nebenan] unterlegen zu sein. Und auf einer abstrakteren Ebene befürchten wir, dass der große Nachbar [Russland] kommt und Estland besetzt oder dass die in Estland lebenden Russen uns zu einem zweiten Russland machen. Möglicherweise wurden diese Ängste auch durch die Sowjetzeit verursacht, denn im Großen und Ganzen ist dieses Muster auch in anderen postkommunistischen Staaten festzustellen. Aber es ist keine Lösung, alle Probleme im Estland von heute immer nur Stalin anzulasten."
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