Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 7. Juli 2010
Adam Krzemiński über den Sieg der Aufklärung in Polen
Mit Bronisław Komorowskis Sieg bei der Präsidentenwahl über Jarosław Kaczyński ist der alte polnische Mythos des Sarmatismus rehabilitiert worden, schreibt der polnische Publizist Adam Krzemiński in der konservativen Neuen Zürcher Zeitung: "Während Kaczynski für die Machtträume der zu kurz gekommenen Kleinbürger und den nationalen Egoismus der Provinzler steht, schimmert bei Komorowski der altpolnische republikanische Mythos durch, für den es im Polnischen eine eigene Bezeichnung gibt - den Sarmatismus, der zwei gegensätzliche Seiten des polnischen Nationalmythos umfasst. Der Name entspringt einer während der Renaissance oft wiederholten Vorstellung, die Polen - als Adelsnation - seien Nachfolger der antiken Sarmaten, die in Freiheit und brüderlicher Gleichheit am Don lebten und selbst den Römern Paroli boten. ... Die anti-europäische Allianz der Brüder Kaczynski mit den Rabauken von der 'Selbstverteidigung' und der 'Liga der Polnischen Familien' [hat] die neosarmatischen 'wahren Polen' so diskreditiert, dass 2007 die Wähler dem 'Kaschuben' [Donald] Tusk zum Sieg verhalfen. Viele junge Polen sehen in der EU einen Schutzschild gegen innenpolitische Willkür und den Gruppenegoismus der Nationalen. Jetzt versucht Präsident Bronislaw Komorowski mit seinen familiären Anspielungen die Quadratur des Kreises der polnischen Kulturgeschichte zu lösen und den Liberalen 'sarmatischen' Charme zu geben."
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