Magyar Narancs - Ungarn | Donnerstag, 12. August 2010
Zoltán András Bán über Ungarns unaufgeklärten Absolutismus
Ein düsteres Bild von der Demokratieauffassung der rechtskonservativen Regierung unter Viktor Orbán zeichnet der Literaturwissenschaftler Zoltán András Bán in der linksliberalen Wochenzeitung Magyar Narancs: "In sozialpsychologischer Hinsicht war die Machterlangung von Viktor Orbán und seiner rechtskonservativen Partei Fidesz eine Revolution der Parvenüs, deren mentaler Zustand sich im Lichte der vergangenen acht Jahre [in der Opposition] krankhaft auf folgende Gleichung reduziert hat: Bisher haben wir gelitten, jetzt müsst ihr [Sozialisten] es tun. ... Die Klarsichtigkeit [der Fidesz] ist abhanden gekommen, ihr gesunder Menschenverstand ruht irgendwo in der Stille der Garderobe. ... Was wir nun erleben, ist Absolutismus pur. ... Doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger aus dem 18. Jahrhundert finden wir kein progressives Element in ihm. Nichts wird umgekrempelt, und wenn doch, dann läuft es den Werten der Moderne zuwider. Der Absolutismus der Regierung Orbán will in Ungarn längst überholte Werte und ein anachronistisches Denken verankern. Die Regierung betrachtet nicht den Menschen als Herrn der Geschichte, sondern einen nicht näher definierten Gott. ... Sie untergräbt jenes säkulare Fundament des Landes, das für die Funktionsfähigkeit einer modernen Gesellschaft unerlässlich ist."
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