Mladá fronta Dnes - Tschechien | Mittwoch, 18. August 2010
Luděk Navara über den Umgang mit tschechischen Verbrechen
In dem tschechischen Dorf Dobronin sind Anfang der Woche die sterblichen Überreste von vermutlich 15 nach Kriegsende getöteten Deutschen entdeckt worden. Solche Meldungen häufen sich in letzter Zeit und veranlassen den Kommentatoren Luděk Navara in der liberalen Tageszeitung Mladá fronta Dnes zu folgenden Überlegungen: "Noch lange nach dem Krieg witzelte man wenig witzig: 'Nur ein toter Deutscher ist ein guter Deutscher'. 'Die Deutschen verursachten mehr Böses als die Tschechen', sagten viele. Nur, welche Deutsche? Und welche Tschechen? Unterteilt man in Gut und Böse? Waren nur die Deutschen schlecht? Und alle Tschechen gut? ... Die toten Deutschen wurden wahrscheinlich Opfer gewöhnlicher Rache, wie ihre Mitbürger aus Brno oder Usti. Damit das klar ist: Hier ging es um Mord. ... Es wäre gut, wenn wir wüssten, wie viele solche Gräber sich noch in Tschechien befinden. Das wäre wichtig für uns alle. Wir müssen die Geschichte kennenlernen, sie begreifen, uns mit ihr aussöhnen und mit ihr zu leben lernen. Auch das ist eine Art Gerechtigkeit. Und die schulden wir den Toten."
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