Magyar Nemzet - Ungarn | Samstag, 18. September 2010
Anikó Fázsy über die entgleisende Sprache der Medien
Die Abschiebung der osteuropäischen Roma aus Frankreich ist nicht nur ein gesellschaftliches und moralisches, sondern auch ein semantisches Problem. In der liberalen Demokratie haben viele Begriffe ihren Wert verloren, schreibt die Chefredakteurin der Literaturzeitschrift Nagyvilág, Anikó Fázsy, in der Wochenendbeilage der konservativen Tageszeitung Magyar Nemzet: "Der permanente Wortfluss der Medien und ihre verbale Aggression stumpfen den Menschen ab und machen ihn gleichgültig: Um Aufmerksamkeit zu erregen, muss unentwegt bombastisch formuliert und übertrieben werden. Die Emotionen werden hochgeschaukelt, indem kriegsähnliche Zustände geschaffen werden. Infolge der ständigen Übertreibungen entgleist die Sprache. Ziel ist nicht das Verständnis, sondern das Urteil. Zum Zweck der leichteren Orientierung müssen die Phänomene mit Etiketten versehen werden. Und es müssen Analogien zwischen Phänomen geschaffen werden, die gar nicht vergleichbar sind. Die Welt ist wirklich schwer zu verstehen. Doch zeugt es von geistiger Faulheit, wenn nicht gar Böswilligkeit, die Wirklichkeit mit einem einzigen Hauptwort, einem einzigen Adjektiv zu erklären."
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