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Die Zeit - Deutschland | Freitag, 22. Oktober 2010

Matthias Krupa über die Erosion der politischen Ordnung

Ob Integration oder Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die  öffentlichen Debatten in Deutschland wirken hektisch und unsouverän, meint Matthias Krupa in der liberalen Wochenzeitung Die Zeit, was der politischen Ordnung schadet: "Mag sein, dass alle Erregung aus derselben Quelle sprudelt: aus einem tief empfundenen Ungenügen an der herrschenden Politik ... . Doch die Proteste und die Debatten dieses Herbstes ... haben zugleich etwas Haltloses, Überschießendes. Sie treten auf in einem Land, das bei aller Unvollkommenheit vergleichsweise gut dasteht. Die Integration von Millionen Menschen führt zu Konflikten, aber in den deutschen Großstädten brennen bislang - zum Glück - nur ein paar Mülleimer. Die Zahl der Arbeitslosen ist von mehr als fünf auf drei Millionen gesunken. ... Heute befördert der Zorn der Bürger die Erosion einer politischen Ordnung, die ohnehin labil geworden ist. Viele tun dabei so, als ließe sich dieses Spiel beliebig oft wiederholen. Als gebe es immer noch eine Partei oder einen Kandidaten in der Hinterhand. Doch die politischen Ressourcen sind begrenzt, und das Vertrauen, das einmal verloren ist, kann man nicht beliebig nachfüllen. Auch Bürger tragen in der Demokratie Verantwortung."

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