Figyelő - Ungarn | Donnerstag, 11. November 2010
Joschka Fischer über Merkels Ängste vor Europa
Über die Unsicherheit und Unentschlossenheit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Sachen EU-Politik, schreibt der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer in der wöchentlich erscheinenden Wirtschaftszeitung Figyelő: "Angela Merkel hat es bis heute nicht verstanden, den Deutschen ihre Konsequenzen aus der Finanzkrise und der Krise des Euro zu erklären. Und das liegt nicht nur daran, dass sie keine gute Rednerin ist, sondern erstens an ihrem generellen Politikstil und zweitens daran, dass sie wohl selbst nicht den Ausweg aus ihrem Widerspruch zwischen nationaler Lösung und europäischen Zwängen weiß. ... Angela Merkel ist heute ... mehr eine Getriebene als Treibende. Das gilt ganz besonders in den europäischen Angelegenheiten. ... Es dominiert in Berlin derzeit nicht die Frage, was Europa jetzt braucht und was Deutschlands Rolle dabei zu sein hat, sondern tatsächlich die Angst vor den weiter wegbrechenden Umfragen, vor den nächsten Landtagswahlen, vor der massiven Kritik der konservativen Presse und dem Boulevard und dem deutschen Verfassungsgericht. ... Die fatalen Folgen von Merkels 'Führung durch Nichtführung' fallen jetzt auf sie selbst zurück. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Angst die europäische Seele dieser Regierung bereits aufgefressen hat."
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