La Repubblica - Italien | Donnerstag, 24. März 2011
Timothy Garton Ash über deutschen Dolchstoß für EU-Außenpolitik
Deutschland ist für die Uneinigkeit der EU im Libyen-Konflikt verantwortlich, weil es sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über die Flugverbotszone enthalten hat, meint der britische Historiker Timothy Garton Ash in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica und kritisiert, dass eine gemeinsame europäische Außenpolitik so unmöglich ist: "Während britische und französische Piloten ihr Leben aufs Spiel setzen, ermutigt der deutsche Außenminister Guido Westerwelle die Arabische Liga sogar noch zur Skepsis. Dazu fällt mir spontan nur das Wort Dolchstoß ein. Westerwelle ist einer der schwächsten Außenminister, die Deutschland in der jüngsten Vergangenheit hatte. Als Vorsitzender der Freien Demokraten fürchtet er den Ausgang einiger wichtiger Landtagswahlen nicht minder als Angela Merkel. Nach einigen vorsichtigen Versuchen von deutscher Seite in den 1990er Jahren, wieder internationale, auch militärische Verantwortung zu übernehmen, ist die öffentliche Meinung des Landes anscheinend wieder in die 'Lasst-uns-in-Ruhe'-Haltung versunken. ... Selbst wenn man die deutsche Position im konkreten Fall der Flugverbotszone für richtig und die französische für falsch halten sollte, muss man eingestehen, dass derartige Spannungen jeden Anspruch auf eine europäische Außenpolitik ins Lächerliche zieht."
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