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Delfi - Estland | Mittwoch, 20. Juli 2011

Fall Golowatow zeigt Doppelmoral Westeuropas

Österreich hat am Freitag den früheren KGB-Offizier Michail Golowatow trotz internationalen Haftbefehls freigelassen. Ihm wird vorgeworfen, für den sogenannten Blutsonntag im Januar 1991 in der litauischen Hauptstadt Vilnius verantwortlich zu sein. Das estnische Portal Delfi findet das Verhalten der Österreicher unmöglich: "Die Rechtfertigung der österreichischen Behörden charakterisiert überdeutlich die Doppelzüngigkeit von Teilen des sogenannten alten Europa gegenüber den Verbrechen totalitärer Regime. Frühere SS-Angehörige, die westeuropäische Juden ermordet haben, werden noch als alte Greise vor Gericht gezerrt, aber Angehörige von Spezialeinheiten, die in Osteuropa unbewaffnete Zivilisten getötet haben, werden mit Samthandschuhen angefasst. Jeder Mensch ist im europäischen Rechtsraum unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Aber in diesem Fall hat sich das österreichische Justizministerium angemaßt, das Justizwesen eines anderen EU-Mitgliedstaats zu missachten, indem es einen Beschuldigten mit der Begründung freigelassen hat, der von Litauen ausgestellte Haftbefehl sei nicht ausreichend. Das ist ein beispielloser Vorgang und ein unverschämtes Verhalten."

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