Le Monde - Frankreich | Freitag, 21. Oktober 2011
Tunesischer Verfassungsrat muss Armen helfen
Am Sonntag wird in Tunesien eine verfassunggebende Versammlung gewählt, die Grundlagen für die demokratische Umgestaltung des Landes ausarbeiten soll. Doch die Spaltung zwischen arm und reich könnte das Land zerreißen, warnt die linksliberale Tageszeitung Le Monde: "Tunesien besteht genau genommen aus zwei Ländern. Das eine Tunesien hat Geld, genießt das schöne Leben, geht in den Club zum Tanzen und in den Carrefour [französische Supermarktkette] zum Einkaufen. Das andere Tunesien hat keine Chance auf einen Job, keine Hoffnung, und keine Möglichkeit, menschenwürdig zu leben. ... Das ist das wahre Gesicht Tunesiens, und nur wenige der Kandidaten haben darüber gesprochen. Niemand hat bisher mit den 23 Jahren unter Ben Ali abgerechnet. Diese Verleugnung der Realität macht alles noch schlimmer. Wenn man den Großteil der tunesischen Bevölkerung weiterhin in beinahe mittelalterlicher Armut leben lässt, wird die soziale Explosion gewaltig sein. ... Die Revolution war ein Aufstand derer, die nichts haben. Ohne sie wäre nichts passiert. Nun muss man es ihnen vergelten."
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