Die Welt - Deutschland | Dienstag, 29. November 2011
Deutsche Führung ist gewollt und verhasst
Ob Hebelung des Rettungsfonds, Widerstand gegen Euro-Bonds oder Hinweise auf Haushaltsdisziplin - die Deutschen dienen bald als Sündenbock für die gesamte Euro-Krise, beobachtet die konservative Tageszeitung Die Welt: "Jahrelang hallte es aus den Kommentarspalten im In- und Ausland, die Deutschen sollten endlich mehr Führung in der Euro-Krise übernehmen. Nun hat sich Angela Merkel dazu durchgerungen, und es ist auch wieder nicht gut. In Großbritannien sehen manche Kommentatoren schon ein 'Viertes Reich' heraufziehen. Tenor: Was den Deutschen in zwei Weltkriegen nicht gelungen sei, erreichten sie jetzt mithilfe der Euro-Krise - die Hegemonie über Zentraleuropa. Die Junckers und Barrosos sind verärgert, weil Merkel nicht einfach alle Rechnungen der Euro-Zone bezahlen will. ... Auch in Frankreich macht sich Germanophobie breit. ... Das heißt nicht, dass sich Deutschland dem Druck der anderen zu ergeben hat. Aber wie jede große Macht sind wir in der Pflicht, unsere Haltung klar zu kommunizieren und dabei den Eindruck zu vermeiden, immer alles besser zu wissen. Dann können wir umso gelassener eine der Lehren der amerikanischen Erfahrung akzeptieren - dass große Mächte nie geliebt werden."
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