Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Freitag, 9. Dezember 2011
EZB fährt unklare Strategie
Der Präsident der Europäischen Zentralbank EZB, Mario Draghi, hat am Donnerstag zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen eine Leitzinssenkung verkündet und zwar um 0,25 Prozentpunkte auf das Rekordtief von einem Prozent. Unklar bleibt, was er damit bezwecken möchte, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Versucht die EZB unmittelbar vor dem wichtigen EU-Rettungsgipfel durch eine Lockerung der Geldpolitik zu demonstrieren, dass sie ihren Teil zur Rettung mit ihren angestammten Instrumenten leistet und dass sie sich deshalb gegen die von vielen geforderte Mutation zu einer 'Geldkanone' wehren wird? Oder versucht die EZB nun das geldpolitische Terrain so stark für unkonventionelle Aktionen zu öffnen, dass ein späterer, voller Einbezug der Notenbank zur Rettung von Staaten und Banken nicht mehr ein so grosser Schritt sein wird? Es kann gut sein, dass es in diese Richtung geht. Immerhin führt das Bereitstellen mehrjähriger Notenbankkredite für Banken dazu, dass die EZB damit nicht nur Institute mit Liquiditätsbedarf stützt, sondern auch Solvenzprobleme berühren könnte."
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