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Top-Thema vom Donnerstag, 9. Februar 2012


Griechen ringen sich durch

Mit drei Tagen Verspätung präsentiert Papademos eine Einigung. (© AP/dapd)

Die griechischen Regierungsparteien haben dem umfangreichen Sparkatalog der Troika Mittwochnacht zugestimmt, bis auf die geforderte Rentenkürzung. Die ständigen Verzögerungen werden Griechenland noch den Kopf kosten, warnen einige Kommentatoren, andere sehen gerade im rigiden Sparprogramm eine Einbahnstraße in den Untergang.


Cinco Días - Spanien

Der uneinsichtige Patient

Da die griechischen Parteichefs noch immer keine komplette Einigung zum Sparpaket erreicht haben, vergleicht die Wirtschaftszeitung Cinco Días das Land mit einem eigensinnigen Patienten: "Die Situation in Griechenland erinnert unweigerlich an einen Kranken, dessen Ärzte die Diagnose gestellt und dringend eine Behandlung empfohlen haben. Sie erklären dem Patienten was passiert, wenn er seine Medizin nicht einnimmt oder die Operation verweigert, aber der Kranke lässt sich von der Eile der Ärzte nicht beeindrucken und beharrt auf seiner Bedenkzeit, um zu entscheiden, was er tut oder lässt. Der Haken an der Sache ist, dass Griechenland kein isolierter Fall ist, sondern hochgradig ansteckend. Und seine Disziplinlosigkeit bedroht nicht nur ein paar Nachbarn, sondern die ganze Gemeinschaft. ... Der mögliche unkontrollierte Staatsbankrott, über den wiederholt spekuliert wurde, und ein Austritt aus der Währungsgemeinschaft brächten unvorhersehbare Folgen für Europa, das wie durch einen Sandsturm taumelt." (09.02.2012)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Griechen taktieren verantwortungslos

Die ständigen Verzögerungen der griechischen Politiker sind unverantwortlich und unaufrichtig, bemängelt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Der Grad an Verantwortungslosigkeit gegenüber dem eigenen Volk, aber auch gegenüber den Partnern in der Union, ist mit Worten nicht mehr zu fassen. ... Transparenz und Aufrichtigkeit wären nun die Tugenden der Stunde, stattdessen aber bietet die griechische Parteimaschinerie undurchschaubare Interessens-Spiele und verbreitet Halbwahrheiten über den tatsächlichen Zustand des Landes und die Rolle der Retter. Diese Art der Kommunikation in höchster Not lässt nur einen Schluss zu: ... Es braucht dringend einen bösen Buben, der am Ende das hässliche Wort von der Insolvenz ausspricht. Die Gläubiger provozieren Griechenland (etwa durch die Drohung mit Staatsaufpassern aus Brüssel). Und die griechische Politik provoziert mit ihrer aufreizenden Wurstigkeit. Das Ergebnis: Auf beiden Seiten wächst die Aggression." (09.02.2012)


Il Sole 24 Ore - Italien

Deutscher Sparwahn führt zu Kurzschluss

Da Athen die Zusatzrenten nicht kürzt, muss es der Troika binnen 15 Tagen andere Vorschläge machen, wie es die dadurch erwarteten Einsparungen von 300 Millionen Euro erreicht. Doch Sparen ist eine deutsche Einbahnstraße, meint die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Die europäische Antwort auf Athens Misswirtschaft ist und bleibt einseitig: Sparen, Sparen und noch mal Sparen, begleitet von brutal erzwungenen Reformen. Dieser ideologische Strafwahn könnte früher oder später eine gewaltsame Gegenreaktion hervorrufen, sowohl auf politischer wie auch auf gesellschaftlicher Ebene. Diese Reaktion könnte wie ein Flächenbrand auf andere Länder der Euro-Zone übergreifen, denen ähnlich harte Sparmaßnahmen auferlegt werden. Das Einbahnstraßen-Rezept, das schwerste Opfer verschreibt ohne Entwicklungsperspektiven und somit Hoffnung auf eine baldige Besserung in Aussicht zu stellen, könnte zu einem verheerenden Kurzschluss in der Euro-Zone führen, die Opfer der einseitigen deutschen Sichtweise geworden ist." (09.02.2012)


De Morgen - Belgien

Griechenland braucht Solidarität Europas

Die bereits umgesetzten Sparmaßnahmen haben in Griechenland zu hohen Einkommensverlusten und sozialen Problemen geführt, meint die linksliberale Tageszeitung De Morgen und warnt Europa davor, das Land ins Elend zu treiben: "In nur wenigen Monaten rutschte Griechenland ab auf das Niveau eines Vierte-Welt-Landes. ... Der griechische Sparplan beruht zum großen Teil auf extra Steuern für die Arbeiter, die keinen Spielraum mehr haben geschweige denn die Kraft, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. ... Das europäische Projekt wuchs aus dem Gedanken, dass Solidarität und Zusammenarbeit viel besser sind als Konkurrenz oder Krieg. Was wir nun in Griechenland sehen, hat nur noch wenig mit dem europäischen Traum zu tun. ... Wenn Europa beweisen will, dass es ein großartiges Projekt ist, dann ist jetzt der Moment gekommen. Aber nicht indem man den griechischen Bürgern das Messer an die Kehle setzt, sondern in dem man ihnen auf kluge und menschliche Weise beisteht." (09.02.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 9. Februar 2012

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