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Top-Thema vom Dienstag, 21. Februar 2012


Neue Griechenland-Hilfe solle Euro-Zone kitten

Nach fast 13 Stunden Verhandlung präsentierte Juncker die Einigung. (© AP/dapd)

Die Euro-Finanzminister haben am frühen Dienstagmorgen beschlossen, Griechenland neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro zu gewähren. Außerdem sollen private Gläubiger dem Schuldenland mehr als die bisher geplanten 100 Milliarden Euro erlassen. Das alles löst zwar das griechische Problem nicht, meinen Kommentatoren, aber ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone wäre noch teurer.


Cinco Días - Spanien

Das neue Rettungspaket löst die Probleme Griechenlands noch lange nicht, meint die Wirtschaftszeitung Cinco Días: "Gerade nach dem langen Theater, das die europäischen Politiker in den vergangenen Monaten in Bezug auf die Einigung aufgeführt haben, ist die Unterstützung durch die Länder der Euro-Zone natürlich eine gute Nachricht. Nichtsdestotrotz ist das griechische Problem damit bei weitem nicht gelöst. Betrachtet man den griechischen Leidensweg seit Beginn der politischen und wirtschaftlichen Krise sowie Athens katastrophalen Umgang damit, versteht man, dass Griechenland nicht nur eine wirtschaftliche Lösung braucht, sondern auch eine tiefgreifende politische Erneuerung. Im Gegensatz zur wirtschaftlichen Unterstützung wird sich diese jedoch nicht durch eine externe Kontrolle oder durch Finanzspritzen einstellen. Vielmehr benötigt sie einen Reifeprozess und in manchen Fällen sogar die Schaffung neuer Strukturen und Institutionen. Das braucht Zeit." (21.02.2012)


Le Monde - Frankreich

Dass sich die Euro-Gruppe derart anstrengt, das wirtschaftliche Fliegengewicht Griechenland zu retten, macht deutlich, wie zerbrechlich das Fundament der Gemeinschaftswährung ist, analysiert die linksliberale Tageszeitung Le Monde: "Die schwierige Phase, die Griechenland derzeit durchlebt, zeigt, dass die Euro-Zone noch auf der Suche nach einer geeigneten Formel ist, die Flexibilität, Disziplin und Solidarität miteinander verbindet. Die Euro-Zone steckt noch in den Kinderschuhen: Sie ist nicht so weit integriert, dass ihr Auseinanderbrechen unvorstellbar wäre. Sie ist aber schon zu weit vorangeschritten, als dass es tolerierbar wäre. In Wahrheit besteht die beste Garantie für ihr Fortbestehen in den Kosten ihres potenziellen Endes. ... Wenn die Euro-Zone jedoch nicht nur eine gescheiterte Ehe sein soll, die weiter existiert wegen der horrenden Kosten, die eine Aufteilung des Vermögens und der Schulden mit sich bringen würde, so muss sie auf etwas sehr viel Positiverem errichtet werden." (20.02.2012)


Der Standard - Österreich

Mit der Einigung in Brüssel sinken die Zinsen nicht nur für Griechenland, sondern auch für den Pleitekandidaten Portugal, erwartet die linksliberale Tageszeitung der Standard, wodurch Deutschland etwas weniger an der Krise verdient: "Die Kreditgeber bei den Eurohilfen werden den Griechen nun doch günstigere Darlehen geben, bei den Zinsen nachlassen. ... Davon profitiert indirekt aber auch [Portugals Premier] Passos Coelho. Die Zinsen für Portugal, das selbst Milliardenhilfen beansprucht, werden bald ähnlich sinken. Das ist auch durchaus gerecht. Denn die bestbewerteten Staaten wie Deutschland verdienten bisher gar nicht so schlecht am 'Hilfsgeschäft': einerseits durch die Zinseinnahmen, andererseits, weil sie wegen der billigeren Marktzinsen als Folge der Südkrise beim eigenen Schuldendienst weniger ausgeben. Deutschland hat sich nach einer Studie von Kölner Wirtschaftsforschern 45 Milliarden Euro erspart, ohne Arbeit, nur durch den Markt. Das zeigt die praktisch unauflösbare Verwobenheit im Euroraum, die oft paradox wirkt." (21.02.2012)


Naftemporiki - Griechenland

Die Zahlungsunfähigkeit Athens ist erst einmal abgewendet, aber sonst ist nichts sicher für die Griechen, betont die konservative Wirtschaftszeitung Naftemporiki: "Die Entscheidung der Euro-Gruppe beendet eine lange Zeit der Unruhe und Unsicherheit bei der Entwicklung unserer Wirtschaft und unserer Beziehungen zu den EU-Partnern. Sie stellt aber nicht sicher, dass nun eine bessere Zeit anbricht in diesem Kapitel unserer Geschichte, das 'Schuldenkrise und noch mehr' heißt. Einfach gesagt: Egal wie sehr wir nach einem Hoffnungsschimmer verlangen, wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen und nicht dort nach Licht suchen, wo es derzeit keines gibt. Das einzige, das wir mit Sicherheit erwarten können, sind die nächsten Wahlen. Diese Aussicht wird uns ohne Zweifel dabei helfen, uns besser zu fühlen." (21.02.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 21. Februar 2012

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