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Top-Thema vom Donnerstag, 1. März 2012


EZB hilft Banken erneut mit Geld

EZB-Chef Draghi verlangt nur ein Prozent Zinsen. (© dapd)

Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch 800 europäischen Banken rund 530 Milliarden Euro zu sehr günstigen Konditionen geliehen. Damit sollen erneut angeschlagene Geldhäuser gestützt und die Kreditversorgung der Wirtschaft gesichert werden. Das ist die große Chance der Banken sich zu sanieren, meinen einige Kommentatoren. Anderen zufolge zögert die Geldschwemme den Kollaps schwächelnder Geldinstitute nur hinaus.


Cinco Días - Spanien

Wirtschaft kann von Geldschwemme profitieren

Weil eine große Zahl von Banken sich bei der EZB mit frischen Krediten versorgt haben, kann auch die Realwirtschaft davon profitieren, meint die linksliberale Wirtschaftszeitung Cinco Días: "Überraschend viele Bankinstitute haben sich Geld von der EZB geliehen. Nachdem der Geldregen im Dezember die Finanzmärkte in beachtlicher Weise beruhigt und die europäischen Börsen gestärkt hatte, vergab Mario Draghi erneut günstige Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren. Die 530 Milliarden Euro verteilen sich auf insgesamt 800 Banken. Im Dezember waren es lediglich 492 Institute. Also haben sich anscheinend auch viele kleine Banken zur Teilnahme durchgerungen. Die EZB will so erreichen, dass das Geld in der Realwirtschaft ankommt. ... Wie lange auch immer der Effekt vorhalten mag, die Banken müssen diese relativ ruhige Zeit nutzen, um ihre Hausaufgaben zu machen und die eigene Sanierung voranzutreiben. Nur so kann sich der Kreditmarkt wieder öffnen, so dass das Geld wieder bei den kleinen Unternehmen ankommt." (01.03.2012)


Les Echos - Frankreich

Bankensanierung wird verschoben

Die europäischen Banken haben von der EZB eine zweite Geldspritze bekommen, diesmal über 530 Milliarden Euro. Doch damit wird das eigentliche Problem nur aufgeschoben, meint die Wirtschaftszeitung Les Echos: "Die Banken werden das Geld bis Anfang 2015 zurückzahlen müssen, was bei weitem nicht leicht wird, selbst wenn Europa bis dahin wieder stärker wächst. Die Verantwortlichen bei der Europäischen Zentralbank bleiben ihrer Philosophie der Zurückhaltung treu und folgen dem Beispiel ihrer US-amerikanischen, britischen oder japanischen Kollegen nicht. Diese haben tausende von Milliarden gedruckt, und zwar für Anleihenkäufe und nicht, um sie den Banken zu leihen. Auch wenn die Geldspritze der EZB Wirkung zeigt: Die Probleme werden nicht gelöst sondern nur auf morgen verschoben. Die EZB erkauft sich Zeit. So wie der Europäische Rat, die Kommission und der IWF gerade bei der Griechenland-Rettung Zeit gewonnen haben. Die Sanierung der Banken und Staatshaushalte steht in Europa noch aus." (01.03.2012)


Dagens Nyheter - Schweden

Guter Plan mit hohem Risiko

Der Ansatz der EZB ist vielversprechend und hat auch schon Erfolge gezeigt, meint die liberale Tageszeitung Dagens Nyheter, doch die Zentralbank geht ein hohes Risiko ein: "Die offizielle Erklärung der EZB lautet, dass mit dem frischen Geld für den Kreditmarkt Investitionen angeschoben werden sollen. Und es geht auch darum, dass die Zinsen für Anleihen verschuldeter Euro-Länder sinken. Indirekt übernimmt die EZB die Rolle als letzter Garant für die Stabilisierung des Euro, ohne das explizit zu sagen. Die positiven Auswirkungen zeigten sich vor Weihnachten, die Banken erholten sich, die Kurse an Europas Börsen stiegen. ... Wie immer aber gibt es eine zweite Seite der Medaille. … Auf lange Sicht entsteht ein Inflationsrisiko, denn das, was die EZB tut, ist wie Geld drucken." (01.03.2012)


Gazeta Wyborcza - Polen

Finanzspritze nutzt dem Anleihenmarkt

Der Erfolg dieser Finanzspritze der EZB wird von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Europa abhängen, glaubt der Chefökonom des Investmenthauses X-Trade Brokers, Przemysław Kwiecień, in der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza: "Wenn es gut läuft, dann wird das Geld in Risiko-Geschäfte investiert. Das wird dann sowohl dem Goldmarkt als auch dem Anleihenmarkt nützen. Denn dann übernehmen die Banken gerne das Risiko, Staatsanleihen zu kaufen. Genauso war es nach der EZB-Maßnahme im Dezember, als sie den Privatbanken rund 500 Milliarden Euro geliehen hat. Ob dies auch jetzt der Fall sein wird, hängt unter anderem davon ab, ob sich die ersten Signale einer wirtschaftlichen Erholung in Europa, die wir im Januar gesehen haben, tatsächlich bestätigen. Wenn diese aber gefährdet ist - zum Beispiel durch hohe Treibstoffpreise - dann wird die EZB-Aktion weniger erfolgreich sein." (01.03.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 1. März 2012

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