Top-Thema vom Mittwoch, 6. Juni 2012
Finanzmärkte misstrauen Spanien

Finanzminister Montoro: "Die Tür zu den Märkten steht uns derzeit nicht offen." (© AP/dapd)
Spanien hat am Dienstag erstmals Schwierigkeiten bei der Beschaffung von frischem Geld auf den Finanzmärkten eingeräumt. Eine Flucht des Landes unter den Rettungsschirm als Lösung der Bankenkrise wird immer stärker diskutiert. Für einige Kommentatoren wäre dieser Schritt ein Albtraum, andere glauben, dass Spanien im Gegensatz zu Griechenland so gerettet werden kann.
Die Presse - ÖsterreichRettungsaktion wird sich für Europa auszahlen
Spanien wird nichts anderes übrig bleiben, als unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse, doch anders als im Fall Griechenlands könnte sich diese Hilfsaktion für Europa auszahlen: "Die Chancen, dass das Ganze in diesem Fall wirkt, stehen ... um vieles besser als etwa in Griechenland. Denn Spanien hat, zumindest im Nordosten des Landes, eine noch starke industrielle Basis, und es hat eine Regierung, die ernsthafte Reformen (etwa auf dem Arbeitsmarkt) auf den Weg bringt. Es hat auch weniger ein Staatsschuldenproblem als eines der privaten Verschuldung. Die Bankenprobleme, die dem Staat jetzt so schwer auf der Tasche liegen, haben ja zum großen Teil damit zu tun, dass die vielen arbeitslosen Spanier ihre in Boomzeiten aufgenommenen, viel zu hohen Immobilienkredite nicht mehr bedienen können. Hier beherzt mit Hilfsgeldern einzuspringen, wird sich für Europa also wohl auszahlen. Wenn die Spanier selbst wollen." (06.06.2012)
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El Mundo - SpanienSpanien ist nicht Griechenland
Mehrere spanische Tageszeitungen zitieren nach der G7-Telefonkonferenz zur Schuldenkrise am Dienstag einen anonymen Gesprächsteilnehmer aus Deutschland, der die Spanier als "zu stolz" bezeichnete, Europa um Hilfe zu bitten. Deutschland hält an alten Vorurteilen fest und übersieht dabei, dass die Dinge in Spanien anders liegen als in Griechenland, bemängelt die konservative Tageszeitung El Mundo: "Die Ausdrucksweise dieses Regierungsvertreters offenbart, dass Deutschland uns gemäß dem alten Stereotyp als ein Land verarmter Adeliger sieht, die zu stolz sind, um die großzügig angebotene Hilfe zu erbitten. Aber die Dinge sind eben komplizierter. Die Regierung Rajoy möchte den Schritt [unter den Rettungsschirm zu flüchten] nicht machen, weil sie auf internationaler Bühne den Eindruck vermeiden will, Spanien schlage denselben Weg ein wie Griechenland, Portugal oder Irland. Doch das wäre eben nicht der Fall, weil es einen entscheidenden Unterschied gibt, ob man Gelder erhält, um kriselnde Banken zu rekapitalisieren oder um als ganzes Land gerettet zu werden. Deshalb tut Rajoy gut daran, wenn er fordert, dass die Gelder direkt an die Banken fließen sollen, ohne dass damit das ganze Land als bevormundet oder gerettet stigmatisiert wird." (06.06.2012)
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Público - PortugalDer Alptraum wird Wirklichkeit
Nachdem die spanische Regierung am Dienstag Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Geld auf den Finanzmärkten eingeräumt hat, blickt die Tageszeitung Público in eine düstere Zukunft: "Der schlimmste Albtraum ist wahr geworden. Es scheint keine Zweifel mehr zu geben: Spanien wird wohl Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Too big to fail? In der heutigen Zeit gilt das nicht mehr. Die Regierung hat zugegeben, dass sie wohl keine andere Wahl hat, als sich auf Europa zu stützen. Dem Vorsitzenden der Bank Santander zufolge brauchen die spanischen Banken kurzfristig rund 40 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital. Weit schlimmer ist jedoch die Einschätzung des internationalen Bankenverbands Institute of International Finance, der fürchtet, dass den spanischen Banken in den nächsten zwei Jahren astronomische Verluste von bis zu 260 Milliarden Euro bevorstehen. EU und G7 haben am Montag bekräftigt, dass sie Spanien auf keinen Fall fallen lassen werden. Aber sie müssen sich beeilen. Für den Albtraum, den wir gerade durchleben, brauchen wir eine Lösung - und zwar morgen." (06.06.2012)
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Süddeutsche Zeitung - DeutschlandOpfer bringen für Euro-Bonds
In der Diskussion um Auswege aus der Bankenkrise in Spanien hat sich Premier Mariano Rajoy am Dienstag in Madrid erstmals öffentlich für die Einführung von Euro-Bonds ausgesprochen. Doch für dieses Projekt müssten Frankreich und Deutschland ihre kostbarsten Schätze einbringen, erklärt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Euro-Bonds zur Finanzierung der Staatsschulden ohne eine stärkere Einigung und Demokratisierung Europas … darf es nicht geben. Wieso sollen die Deutschen für Schulden anderer Staaten haften, wenn sie nicht über deren Budget-, Wirtschafts- und Strukturpolitik mitbestimmen können? Zugespitzt formuliert: Wenn die Franzosen ihre Arbeitswoche nach 35 Stunden beenden, mit 60 Jahren in Rente gehen und Zehntausende neue Beamte einstellen, müssen dann die Deutschen für daraus folgende Defizite einstehen? Weder das Bundesverfassungsgericht noch die deutschen Wähler würden dem zustimmen. ... Wenn der Euro und das historisch beispiellose Projekt vom geeinten Europa gerettet werden sollen, müssen seine beiden stärksten Staaten ihre kostbarsten Schätze einbringen: Deutschland sein Geld und Frankreich seine Souveränität." (06.06.2012)
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