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Top-Thema vom Freitag, 8. Juni 2012


EM-Start in Polen und der Ukraine

Das Eröffnungsspiel findet im neuen Nationalstadion statt. (© AP/dapd)

In Warschau beginnt am heutigen Freitag die Fußball-Europameisterschaft. Gastgeber sind erstmals seit der Wende zwei osteuropäische Länder: Polen und die Ukraine, die wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik steht. Kommentatoren betonen die historische Dimension des Turniers und fordern, dass Europa auch nach der EM weiter Druck auf Kiew ausübt. 


Gazeta Wyborcza - Polen

Eine historische Zäsur für Polen

Die Eröffnung der Fußball-EM im eigenen Land ist für Rafał Stec von der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza eine historische Zäsur: "Auf den größten Sportveranstaltungen - den Olympischen Spielen, und den Welt- und Europameisterschaften - amüsiert sich die Menschheit schon seit fast hundert Jahren. Doch Polen hat bislang keine einzige davon organisiert. Und das gilt nicht nur für uns in Polen: Bis dato hat überhaupt kein postsozialistisches Land ein großes Fußballturnier ausgerichtet. Wir sind zusammen mit der Ukraine die ersten. Die Euro 2012 steht symbolisch für den Erfolg, wie wir das Land wieder aufgebaut haben, nachdem die Gesellschaft im Kommunismus zusammengebrochen war. Für die Fans ist dies ein Traum. Jedes Mal, wenn wir mit dem richtigen, großen Sport zu tun hatten, waren wir weit weg von Zuhause und kamen dann mit der anderen, reichen Welt in Kontakt. Jetzt ist es für mich kaum zu fassen, dass die polnischen Fußballer in einem Hotel wohnen, dass nur einige hundert Meter von der Redaktion entfernt ist und dass sie gegen Griechenland in einem Stadion spielen, das gleich auf der anderen Seite der Weichsel liegt." (08.06.2012)


Sydsvenskan - Schweden

EM-Boykott verdient Respekt

Eine Reihe europäischer Spitzenpolitiker, wie Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt, bleibt den Fußball-Spielen in der Ukraine fern, um gegen Menschenrechtsverletzungen und die Inhaftierung der früheren Premierministerin Julia Timoschenko zu protestieren. Die liberale Tageszeitung Sydsvenskan zollt dieser Haltung Respekt und setzt auf ein Engagement Europas auch über die Europameisterschaft hinaus: "Es ist richtig, dass die Spitzenpolitiker der EU die Freilassung Timoschenkos als Bedingung dafür nennen, dass sie zum Finale am 1. Juli in der Loge des Kiewer Olympiastadions Platz nehmen. Aber der Druck auf die Ukraine muss auch noch größer werden. Die EU hat ein Assoziierungsabkommen auf Eis gelegt, der Europarat hat mit harten Worten das Ausbleiben angekündigter Reformen kritisiert. Ende Oktober werden [in der Ukraine] Parlamentswahlen stattfinden. Wenn die Verfechter der Demokratie und des Rechtsstaats Wahlbetrug und Machtmissbrauch ein weiteres Mal Paroli bieten können, hat die Ukraine eine Chance. Dann sollte die EU eine Hand ausstrecken." (06.06.2012)


Večer - Slowenien

Südafrika ist schon wieder vergessen

Mit Blick auf die fortdauernde Kritik am EM-Gastgeber Ukraine erinnert die Tageszeitung Večer daran, wie schnell die Probleme im WM-Land Südafrika in Vergessenheit geraten sind: "Seit die Uefa im Jahr 2007 für das erste große Turnier auf dem Territorium des früheren Ostblocks stimmte, hat sich die EM 2012 zu einer EM der zwei Welten entwickelt. Angela Merkel schaut bei ihren Fußballern in Polen vorbei, doch einen Besuch in der Ukraine, die der Demokratie entsagt hat, boykottiert sie. Dabei ist auch der polnische Rassismus nicht zu vernachlässigen. … Auf jeden Fall stehen Polen und die Ukraine bis zum Finale am 1. Juli im Blickpunkt der Welt. Das ist eine große Chance, auch für alle möglichen Demonstranten. Doch wenn die EM vorbei ist, werden diese mit ihren Problemen wieder allein gelassen. Wer fragt zwei Jahre nach der Fußball-WM noch nach den Menschenrechten und der Armut in Südafrika?" (08.06.2012)


NRC Handelsblad - Niederlande

Fußballer sollen Auschwitz besuchen

Die niederländische Fußball-Nationalmannschaft hat kurz vor Beginn des Turniers am Mittwoch das ehemalige KZ Auschwitz besucht. Dies ist sinnvoll, meint die liberale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Die Aufmerksamkeit, die die Medien auf diesen Besuch richten, löst vielleicht bei all jenen, die bereits einmal in einem Konzentrationslager waren, ein unbehagliches Gefühl aus. An so einem Ort wird von jedem Besucher ein ganz individuelles Vorstellungsvermögen verlangt. Historisches Wissen kann, wenn es in der Schule gut vermittelt wurde, durch die persönliche Wahrnehmung noch verstärkt werden. Wer zwischen den Baracken steht, beginnt vorsichtig zu begreifen, dass das Unbegreifliche wirklich unbegreiflich ist. Das scheint an sich keine Basis für einen gemeinsamen Ausflug zu sein. ... Dennoch ist gerade so ein Ausflug wichtig. Auch die niederländischen Spieler haben das Unbegreifliche besser verstanden. Ihre Fans werden dem hoffentlich folgen. Spitzensportler können hier ein Vorbild sein." (08.06.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 8. Juni 2012

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