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Top-Thema vom Dienstag, 24. Juli 2012


Euro-Krise ängstigt Märkte

Der spanische Leitindex Ibex 35 fiel am Montag zeitweise auf den tiefsten Stand seit neun Jahren. (© AP/dapd)

Spekulationen um einen Euro-Austritt Griechenlands und die schwierige Lage Spaniens verursachen Turbulenzen an den europäischen Börsen. Der Euro fiel am Montag auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren, Spanien muss Rekordzinsen zahlen, auch die Risikoaufschläge für italienische Anleihen stiegen stark an. Kommentatoren drängen auf einen Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB und kritisieren die Blockadehaltung Berlins in der sich zuspitzenden Euro-Krise.


Diário de Notícias - Portugal

Terror-Sparpaket nutzt Spanien nichts

Angesichts der jüngsten Turbulenzen an den europäischen Aktienmärkten kritisiert die Tageszeitung Diário de Notícias die Blockadehaltung Berlins: "Die Risikoaufschläge für spanische (und italienische) Staatsanleihen klettern auf neue Rekordstände - und das trotz des unglaublichen Terror-Sparpakets, das Berlin und Brüssel für Madrid geschnürt haben, um die Hilfen für die spanischen Banken zu bewilligen. Regionen wie Valencia sind pleite und müssen von der Zentralregierung aufgefangen werden. Gleichzeitig fordert der Zyniker Weidmann, der die Bundesbank leitet, Spanien auf, eine Komplettrettung zu beantragen. Welch eine enorme Grausamkeit! Der EFSF ist bis aufs Kleingeld reduziert worden und der neue Euro-Rettungsfonds [ESM] liegt mindestens bis zum 12. September noch auf dem Tisch des Bundesverfassungsgerichts. Die EZB weigert sich weiterhin, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen. Etwas zu versprechen, was es nicht gibt, ist die schwerste Beleidigung für diejenigen, die es brauchen. Das Schweigen der Feiglinge geht in den meisten europäischen Hauptstädten weiter." (24.07.2012)


Il Sole 24 Ore - Italien

Ohne die EZB stirbt der Euro

Wenn in der sich zuspitzenden europäischen Schuldenkrise jetzt nicht die Europäische Zentralbank eingreift, ist es um die Währungsunion geschehen, warnt Roberto Napoletano in der liberal-konservative Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Die Europäische Zentralbank muss ihren Beitrag zur Rettung des Euros leisten und zwar sofort. Ein radikales Umdenken ist jetzt erforderlich, denn dass es nicht reicht, begrenzte Ankäufe von Staatsanleihen anzukündigen, lehrt uns die Griechenlandkrise. Den Finanzmärkten muss klar gemacht werden, dass weder der Macht noch den Mitteln der EZB Grenzen gesetzt sind. Wenn wir den Mut und die Kraft dazu finden, werden wir den Euro retten. Wenn nicht, hat niemand (ich wiederhole: niemand) etwas zu lachen, denn früher oder später werden auch die Länder der sogenannten Serie A in Europa die Trümmer teuer zu stehen kommen, die sie mit ihrer Kurzsichtigkeit verschuldet haben. … Der Einwand, die EZB habe für ein derartiges Eingreifen keine Befugnis, ist hinfällig. Denn der Imperativ des Schutzes der Euro-Zone legitimiert die Zentralbank dazu. Das wird auch die Bundesbank einsehen müssen." (24.07.2012)


El Mundo - Spanien

Deutschland muss Eingreifen der EZB erlauben

Der trotz des jüngsten Sparpakets der spanischen Regierung anhaltende Druck der Finanzmärkte ist unbegründet, meint die konservative Tageszeitung El Mundo und fordert ein Eingreifen der EZB: "Denn es ist irrational, dass [die Finanzmärkte] die Reformen der spanischen Regierung ignorieren. Deshalb müssen wir nun den Blick auf Deutschland und die EZB richten. In ihrer Hand liegt es, diesen Druck aufzuhalten, der unsere Nation beutelt. Deutschland kann sich nicht hinter einem Widerspruch verstecken: Einerseits bewilligt es die Euro-Kredite, andererseits lässt es Spanien am Rande des Abgrunds stehen. Dahinter könnte sich nur die Absicht verbergen, sich von einigen Staaten der EU loszusagen. Und sich von einer EU zu verabschieden, die an Konstruktionsfehlern leidet, weil sie über kein Geldinstitut verfügt, das die endgültige Verantwortung übernimmt. Merkel muss es [EZB-Präsident] Draghi dringend erlauben, Einfluss auf die Märkte auszuüben, so wie er es vor Monaten bereits zwei Mal getan hat, um diese unerträgliche Situation zu lindern." (24.07.2012)


Gazeta Wyborcza - Polen

Spanien wird noch weitere Hilfen brauchen

Die Rekordzinsen für spanische Anleihen sind für den Chefökonom der polnischen Invest Bank, Wiktor Wojciechowski, Anlass, um in einem Gastbeitrag für die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza ein düsteres Bild der gesamten Weltwirtschaft zu malen: "Der Risikoaufschlag für spanische Anleihen, der sich auf einer Rekordhöhe befindet, spiegelt in gewissem Maß die derzeit weltweit herrschende Unruhe wider. Ich befürchte, dass die 100 Milliarden Euro, die aktuell dem spanischen Bankensektor zugesprochen worden sind, nicht genug sind, um die Lage zu stabilisieren. Deshalb dürfte die Regierung von Premier Rajoy zur Sicherheit um weitere Hilfen der EU-Einrichtungen bitten, um gegen die sich verschlimmernde Rezession zu kämpfen. Eine Entscheidung darüber könnte Anfang 2013 fallen, doch wenn das Niveau der Anleihen weiter so hoch bleibt, wird sie früher erfolgen. Die Situation in Spanien ist diametral entgegensetzt zur Lage in Griechenland. Denn dort sind das Hauptproblem die Schulden der öffentlichen Hand, die man restrukturieren muss. ... In Spanien stellt zwar auch der schnelle Anstieg der öffentlichen Schulden ein Problem dar, doch eine wesentlich größere Bedrohung ist die Verschuldung des privaten Sektors, der mehr als doppelt so groß wie das spanischen BIP ist." (24.07.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 24. Juli 2012

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