Top-Thema vom Mittwoch, 1. August 2012
Romney beendet Pannenreise

Romney kam auf Einladung des früheren Gewerkschaftsführers Lech Wałęsa nach Danzig. (© AP/dapd)
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat am Montag und Dienstag zum Abschluss seiner Auslandsreise Polen besucht. Zuvor hatte er die Olympia-Organisatoren in Großbritannien brüskiert und bei seinem Israel-Besuch die Palästinenser verärgert. Die Außenwirkung der Reise war desaströs, doch das wird ihm im Wahlkampf nicht weiter schaden, meinen Kommentatoren.
Die Zeit - DeutschlandFehltritte waren beabsichtigt
Dass der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney während seiner Europareise kein Fettnäpfchen ausgelassen hat, geschah aus Kalkül gegenüber den jüdischen und konservativen Wählern, meint der in Deutschland lebende US-amerikanische Satiriker Eric T. Hansen in der liberalen Wochenzeitung Die Zeit: "Als Barack Obama vor vier Jahren in Berlin wie ein Rockstar umjubelt wurde, sagten seine Feinde zu Haus, er krieche den Europäern in den Hintern. Allerdings sind Obamas Stammwähler linke Bildungsbürger, die Europa für ein kulturelles Vorbild halten. Dagegen halten Romneys Wähler Europa für dekadent und rückschrittlich. Deshalb inszeniert sich der Republikaner als einer, der Europa nicht versteht und dem Europa völlig egal sein kann. Auch seine beleidigende Bemerkung, die Palästinenser hätten nicht die richtige Kultur zum wirtschaftlichen Erfolg, fällt unter die Rubrik Wahlkampf: Romney schmeichelt damit den jüdischen Wählern in den USA. Außerdem ist er Mormone und diese pflegen sowieso immer eine starke Pro-Israel-Neigung, denn sie halten die Juden nach wie vor für das auserwählte Volk Gottes." (01.08.2012)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Wahlen, » Europa, » USA
Alle verfügbaren Texte von » Eric T. Hansen
Wiener Zeitung - ÖsterreichWirtschaftskompetenz wichtiger als Fettnäpfchen
Die Europareise des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney war ein totaler Flop, schreibt die staatliche liberale Wiener Zeitung, doch innenpolitisch wird ihm das im Wahlkampf nicht weiter schaden: "Wurde Obama damals in Europa wie ein Heilsbringer empfangen, gelang es dem blassen republikanischen Kandidaten Mitt Romney bei seiner Auslandsreise dieser Tage nicht, die Herzen der Europäer zu gewinnen: Schlimmer noch, die Briten waren über die Kritik des Salt-Lake-City-Olympia-2002-Managers an den Olympia-Vorbereitungen in London 'not amused'. In Israel verärgerte er die Palästinenser, und in Polen rastete sein Pressesprecher aus und beschimpfte einen Journalisten unflätig. Romneys Auslandsreise, eine Tour de Fettnäpfchen: War wohl nichts, abgehakt. ... Romneys Glück: Das Diktum von Bill Clintons Wahlkampfstrategen James Carville hat immer noch Gültigkeit: 'It's the economy, stupid!' ('Auf die Wirtschaft kommt es an, Dummkopf!') Solange die Arbeitslosigkeit [in den USA] über acht Prozent liegt, bleiben Romneys Chancen aufrecht." (01.08.2012)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Wahlen, » Europa, » USA
Alle verfügbaren Texte von » Thomas Seifert
Financial Times - GroßbritannienRomneys Außenpolitik erinnert an Bush
Die Stationen des designierten US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney auf seiner Reise nach Großbritannien, Polen und Israel waren mit Bedacht gewählt, erläutert die wirtschaftsliberale Tageszeitung Financial Times: "Obama pflegt bekanntermaßen eine frostige Beziehung zu Israels Premier Netanjahu. Die Polen verärgerte er mit der Aufgabe des Raketenschilds und vor kurzem reagierten sie empört auf seine Formulierung 'polnische Vernichtungslager'. ... Romneys Lager argumentiert zudem, dass Obama mit seiner Strategie, ehemalige Feinde zu umwerben, wenig erreicht hat. Die Neuausrichtung Russlands ist in Gefahr, da der aggressive Wladimir Putin wieder im Amt ist. In der muslimischen Welt ist Amerika noch immer höchst unbeliebt. Obamas Ziel, mit China enger zusammenzuarbeiten, ist gescheitert. Romney hat somit eine gute Ausgangslage. Das Problem ist, dass seine Strategie eine Rückkehr zum manichäischen Weltbild George W. Bushs verheißt, in dem Staaten klar in Freunde und Feinde der USA aufgeteilt werden und die Politik entsprechend angepasst wird." (31.07.2012)
» weiterführende Informationen (externer Link, englisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Wahlen, » Europa, » USA
Alle verfügbaren Texte von » Gideon Rachman
Gazeta Wyborcza - PolenPolen bedankt sich bei Mitt Romney
Durch den Besuch des Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Polen haben die US-Medien das Land erstmals richtig positiv wahrgenommen, freut sich die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza: "Man hat viel und positiv über Polen gesprochen und geschrieben - und zwar als wichtigsten Verbündeten der USA neben Großbritannien und Israel und als einem Land, dem man dankbar sein muss (was Präsident Obama manchmal vergessen hat). Romney hätte vielleicht noch etwas mehr daran erinnern können, dass sich Polen dynamisch entwickelt, dass es relativ gut durch die Krise gekommen ist und dass es sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem modernen Land gewandelt hat. ... Aber wollen wir nicht meckern. Wir standen im Fokus der US-Öffentlichkeit und haben dabei eine vorzügliche Figur abgegeben. Das ist wertvoll - unabhängig vom Ergebnis der Wahlen im November in den USA. Thank you, Mitt!" (01.08.2012)
» zum ganzen Artikel (externer Link, polnisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Polen, » USA
Alle verfügbaren Texte von » Mariusz Zawadzki
» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 1. August 2012