Top-Thema vom Montag, 13. August 2012
London feiert Olympia-Finale

Tausende Athleten feierten am Sonntag zusammen mit rund 80.000 Zuschauern im Londoner Olympia-Stadion das Ende der Spiele. (© AP/dapd)
Mit einer spektakulären Abschlussfeier sind am Sonntag die Olympischen Spiele in London zu Ende gegangen. Großbritannien präsentierte sich als weltoffener Gastgeber, die befürchteten Verkehrs- und Sicherheitsprobleme blieben aus. Kommentatoren freuen sich mit den Briten über die gelungenen Spiele, erinnern aber daran, dass das Land sich nun wieder seinen politischen und wirtschaftlichen Problemen stellen muss.
Süddeutsche Zeitung - DeutschlandBritische Sportler wecken neuen Patriotismus
Die Olympischen Spiele haben ein Jahr nach den gewalttätigen Ausschreitungen in mehreren englischen Städten das angeknackste britische Selbstwertgefühl gestärkt, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung und freut sich, dass kein Politiker die Spiele instrumentalisieren konnte: "Nicht Premierminister David Cameron, der als der Unglücksbringer galt, weil britische Athleten selten gewannen, wenn er auf der Tribüne saß. Nicht Londons Bürgermeister Boris Johnson, der zwar als Clown bella figura machte, aber inhaltlich nichts zu sagen hatte. Nicht Oppositionsführer Ed Miliband, der gar nicht zu sehen war. Das Vermächtnis der Spiele weist weit über die Tagespolitik hinaus. Es ist dennoch eminent politisch, denn im Land gibt es nun eine leise Hoffnung: die auf ein grundlegend verändertes, modernes, offenes Großbritannien. ... Team GB gelang es, einen Patriotismus zu wecken, der alle Regionen und alle sozialen Schichten des Königreichs umfasste. Großbritannien hat sich neu kennengelernt, leistungsfähig, stolz, fröhlich und ein bisschen irre. Das ist mehr, als die kühnsten Optimisten zu hoffen wagten." (13.08.2012)
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Neue Zürcher Zeitung - SchweizBriten müssen Olympia-Rausch auskosten
Alle Pessimisten, die im Vorfeld den Olympia-Austragungsort London kritisiert hatten, sind eines Besseren belehrt worden, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung, denn die Bilanz ist großartig, und die Spiele ließen vorübergehend die politischen Probleme vergessen: "Nachdem Sydney 2000 häufig als die 'besten Spiele aller Zeiten' bezeichnet worden ist, hat London 2012 gute Chancen, den Australiern den Rang abzulaufen. Die Brasilianer dürften mit gemischten Gefühlen in die Heimat reisen - mit diesen Spielen mitzuhalten, wird jedem künftigen Veranstalter schwerfallen. Das hatten im Vorfeld nur wenige erwartet. Was hatten doch die Nörgler der Nation an Risiken und Problemen an die Wand gemalt, vom englischen Wetter über Londons notorische Verkehrsprobleme, die Gefahr von Streiks bis hin zum Risiko eines Terroranschlags. Nichts von alledem ist eingetreten. ... Die Spiele haben die Briten hinter ihrem Team GB vereint und das Volk in einen Freudenrausch versetzt, den es auszukosten gilt. Die Realität von Wirtschaftskrise, Geldmangel und politischer Enttäuschung wird das Land früh genug einholen." (13.08.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Peter Rasonyi
The Guardian - GroßbritannienTeam GB ist Vorbild für Politik
Mit 29 Goldmedaillen haben die britischen Olympioniken bei den Spielen im eigenen Land das beste Ergebnis seit mehr als 100 Jahren erzielt. Vom Erfolgsrezept der Athleten könnten sich Großbritanniens Politiker eine Scheibe abschneiden, findet die linksliberale Tageszeitung The Guardian: "Es bedarf Führungswillen und Leistung in einer Welt, in der Erfolge belohnt und schlechte Leistungen bestraft werden. Diese Prinzipien sind allgemeingültig. Wo auch immer sie angewendet werden, funktionieren sie: vom Team GB [bei Olympia] bis hin zum Erfolg der deutschen Auto- oder der US-amerikanischen Computerindustrie. [Finanzminister] Osborne beteuert, dass er sich voll und ganz auf Wachstum und Arbeitsplätze konzentrieren wird, auch wenn die britische Wirtschaft in einer Depression und einer um sich greifenden Zahlungsbilanzkrise verharrt. ... Osborne und Cameron glauben an die gleichen Ideen: wenig staatlicher Einfluss, freie Märkte und Laissez-faire-Politik - genau das, was ihnen einen Misserfolg olympischen Ausmaßes einbrachte. Entweder sie ändern ihre Ansichten, oder politische Führer, die wirklich verstehen, was zu tun ist, müssen ihren Platz einnehmen. Großbritannien könnte so einfach ein Welterfolg sein." (12.08.2012)
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Les Dernières Nouvelles d'Alsace - FrankreichRechnung für perfekte Spiele kommt noch
Die Spiele in London haben mit Emotionen und Spitzenleistungen die Olympische Flamme zu neuem Leben erweckt, meint die Tageszeitung Les Dernières Nouvelles d'Alsace, gibt aber zu bedenken, dass die Kehrseite der funkelnden Medaille sich wohl noch zeigen wird: "Die olympische Legende ist wie die olympische Flamme, sie erlischt nie. Sie wird von Generation zu Generation mit derselben Kraft weitergegeben. Manchmal flackert sie, ohne aber ihre Strahlkraft zu verlieren. Das war in London so, und das wird auch in Rio in vier Jahren so sein. Aber natürlich haben alle Medaillen ihre Kehrseite. ... Die Engländer werden eine gesalzene Rechnung zu bezahlen haben und die von der Regierung vorhergesagten Profite werden den Erwartungen nicht entsprechen. Es werden noch Dopingfälle auftauchen und in einigen Verbänden, die schlechter abgeschnitten haben als erwartet, wird abgerechnet werden. ... Aber die Spiele waren in jeder Hinsicht perfekt: mit ihren kleinen Mogeleien und großen Skandalen, ihren Spitzenleistungen, Emotionen und ihren Zweifeln. Sie haben Funken gesprüht. Funken, die die Flamme am Leben erhalten." (13.08.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Pascal Coquis
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