Top-Thema vom Mittwoch, 19. September 2012
Video bringt Romney in Bedrängnis

Romney räumte in der Nacht zum Dienstag ein, dass seine Wortwahl "nicht elegant" gewesen sei, lehnte eine Entschuldigung aber ab. (© AP/dapd)
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney steht nach der Veröffentlichung eines heimlich gedrehten Videos unter Druck. In diesem spricht er davon, dass sich knapp die Hälfte der US-Bürger auf staatliche Leistungen verlasse und keine Verantwortung übernehmen wolle. Laut einigen Kommentatoren spricht Romney eine unbequeme Wahrheit aus. Andere gehen davon aus, dass ihn seine Äußerungen den Wahlsieg kosten werden.
The Spectator - GroßbritannienDie ewige Angst vor der Arbeiterklasse
Romneys Äußerungen belegen, was für ein verqueres Bild der Präsidentschaftskandidat von der amerikanischen Arbeiterklasse hat, stellt der Kolumnist Nick Cohen im Blog des konservativen Wochenmagazin The Spectator fest: "Romneys Ansicht nach haben die Linken die Armen und die Arbeiterklasse zu ihren Handlangern gemacht. Demokratische Politiker berauben die Mittel- und Oberschicht ihrer Steuern und bestechen damit die Unterschicht. Im Gegenzug werden eben diese Demokraten von den niederen Ständen gewählt und schustern ihnen daraufhin noch mehr Geld anderer Leute zu. So entsteht ein Kreislauf von Diebstahl und Bestechung. Zumindest denken viele amerikanische und auch britische Konservative so. Die alte Angst, dass Demokratie bedeutet, dass die Armen die Reichen schröpfen, ist immer geblieben. Natürlich steckt in ihr ein Körnchen Wahrheit. Aber wenn ein Politiker so unverblümt wie Romney herausposaunt, was für eine schlechte Meinung er von der Hälfte seiner Landsleute hat, könnte ihm seine Partei ebenso gut 'Loser' auf die Stirn schreiben und ihn zum nächsten Ausgang komplimentieren." (18.09.2012)
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Jyllands-Posten - DänemarkEine unbequeme Wahrheit
Mitt Romney wird für seine Äußerungen, dass sich 47 Prozent der US-Amerikaner auf staatliche Leistungen verlassen und keine Einkommenssteuer zahlen, zu Unrecht kritisiert, findet die wirtschaftsliberale Tageszeitung Jyllands-Posten, denn "man muss nüchtern feststellen, dass Mitt Romney die Fakten kennt. Wenn man es genau nimmt, dann lautet seine Botschaft: Die 'Wohlfahrtskoalition' hat solche Dimensionen erreicht, dass es schwer wird, die Reformen umzusetzen, die für eine langfristige wirtschaftliche Stabilität notwendig sind. Und auch wenn Romney nun einräumt, dass er seine Meinung hätte eleganter ausdrücken können, so steht er doch zu seinen Worten. Selbstverständlich. Warum sollte er die Fakten auch leugnen? ... Wie können die USA eine Konsolidierung der Staatsfinanzen erreichen, wenn gleichzeitig so viele ihrer Bürger von öffentlichen Leistungen abhängig sind? Diese Frage ist eine Diskussion wert." (19.09.2012)
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Financial Times Deutschland - DeutschlandRomneys Patzer freut die Deutschen
Mitt Romney hat sich mit seinem Fauxpas wieder einmal völlig diskreditiert, stellt die liberale Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland zufrieden fest, bleibt aber skeptisch, ob das den Republikaner den Wahlsieg kosten wird: "Wir Deutschen können ohnehin kaum verstehen, warum viele Amerikaner noch immer lieber Romney ihre Stimme geben wollen. Ihn nun straucheln zu sehen ist ein bisschen Wunschdenken: Sozialstaat, Krankenversicherung, außenpolitische Versöhnung - das ist die Politik, wie wir sie uns vorstellen und für die Obama steht, er ist der Wunschkandidat Europas. Doch die politische Kultur in Teilen Amerikas ist eine andere, sie ist konservativer, religiöser, staatsskeptischer und stärker auf das Individuum ausgerichtet. Und manche Äußerung, die in Deutschland ein Skandal wäre, reicht in den USA allenfalls für einen kurzen Knick in der Statistik: Keiner seiner inzwischen vielen, sehr vielen verbalen Ausfälle hat sich bisher drastisch in Romneys Umfragewerten niedergeschlagen. ... Derzeit sieht es gut aus für den Amtsinhaber ... Bis zur Wahl kann aber noch viel passieren." (19.09.2012)
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eldiario.es - SpanienNordkorea könnte Romney noch retten
Mitt Romney hat seine Chancen auf einen Wahlsieg noch nicht komplett verspielt, spöttelt Iñigo Sáenz de Ugarte im Blog Zona Crítica der linken Online-Zeitung eldiario.es, die seit Dienstag offiziell erscheint: "Romney könnte kaum von einer schlechteren Position aus zum Schlusssprint ansetzen. Und einige Journalisten glauben bereits, dass der Ex-Gouverneur mit diesen dummen Worten die Wahl verloren hat. Aber gut, diese urteilen oft etwas voreilig und tendieren dazu, den Ausgang einer Geschichte vorwegzunehmen. Denn natürlich könnte in den etwas weniger als zwei Monaten noch viel passieren. Wenn Obama zum Beispiel in den drei TV-Duellen unentwegt stottern würde, könnte das Romney noch helfen. Und wenn Nordkorea die USA angreifen würde, so wie im Remake des Films Die rote Flut [das im November in die Kinos kommen soll], gäbe es für Romney durchaus noch eine Chance." (18.09.2012)
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