Top-Thema vom Mittwoch, 7. Februar 2007
Mohammed-Karikaturen in Frankreich vor Gericht
Die französische Satirezeitung Charlie Hebdo hat 2006 einige der umstrittenen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten nachgedruckt. Verschiedene Vereinigungen haben Charlie Hebdo daraufhin verklagt - wegen der Verletzung religiöser Gefühle. Heute beginnt der Prozess in Paris.
Le Soir - BelgienMohammed-Karikaturen in Frankreich vor Gericht
"Wiegt die Pressefreiheit schwer genug? Darüber entscheidet das Gericht: Am Mittwochmorgen wird Charlie Hebdo auf der Anklagebank Platz nehmen", schreibt Frankreich-Korrespondent Charline Vanhoenacker. "Während der zwei Gerichtstage in Paris stehen sich 'Pressefreiheit' und 'Rassismus' gegenüber... Die von Philippe Val geleitete Satirezeitung hat über ein Dutzend Zeugen aufgerufen, unter ihnen François Bayrou, den Präsidentschaftskandidaten der UDF [Union für die französische Demokratie] und François Hollande, den Generalsekretär der Sozialistischen Partei. Auch wenn sie wegen des Wahlkampfes vermutlich nicht erscheinen, so wird doch die aus Bangladesch stammende Schriftstellerin Taslima Nasreen vor dem 17. Strafgericht von Paris erwartet. Sie ist aus ihrem Land geflohen, weil sie nach dem Erscheinen ihres ersten Romans 'Die Schande' von radikalen Islamisten 1994 mit dem Tod bedroht wurde." (07.02.2007)
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Libération - FrankreichMohammed-Karikaturen in Frankreich vor Gericht
"Sie halten die erste Ausgabe einer neuen Zeitung in ihren Händen: Der 'Charlibération'", schreibt Laurent Joffrin im Leitartikel. Die Zeitung hatte eine Petition zur Unterstützung von Charlie Hebdo veröffentlicht und druckt heute Werke von Zeichnern der Wochenzeitung. Joffrin kommentiert: "Wir stehen zu der Zeitung von [Philippe] Val... Im Land von Voltaire hat man das Recht, die Religionen zu kritisieren. Es ist völlig abwegig, dass wir jemanden brüskieren oder angreifen wollten: Niemand ist gezwungen, uns zu lesen... Die 'muslimische Gemeinde' kann das Talent der Zeichner, die keine Religion und keine Macht verschonen, nicht in den Schatten stellen. Natürlich gibt es eine Grenzlinie, die, wie wir wissen, sehr kurvenreich ist. Muslime sind Opfer von Diskriminierung in Frankreich. Man versteht ihre dünnhäutige Sensibilität... Aber die Heiligen Schriften sind dehnbarer und toleranter als es alle möglichen Fundamentalisten sagen. Ein Bild kann Gott nicht kränken, er hat ganz andere Sorgen." (07.02.2007)
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Le Courrier - SchweizMohammed-Karikaturen in Frankreich vor Gericht
Für Philippe Bach gibt es nur eine mögliche Antwort auf die "Karikatur eines Prozesses", wie er gegen Charlie Hebdo angestrengt wird: die Verteidigung der Pressefreiheit. "Und ob Religion verspottet werden kann! Demokratie gibt es nur um diesen Preis. Man kann verstehen, dass ein streng Gläubiger von dieser oder jener Zeichnung berührt wird. Ja und? Niemand zwingt ihn, die Zeitung zu kaufen... Was Charlie Hebdo zur Last gelegt wird, ist beunruhigend. Denn es zeigt, dass Laizität ein zerbrechlicher Wert ist und nicht von allen akzeptiert wird. Es zeigt auch, dass die antirassistische Gesetzgebung, die solch ungerechtfertigte Angriffe auf die Pressefreiheit möglich macht, Grenzen hat. Dass es der französische Präsident Jacques Chirac nicht für nötig befunden hat, sich in diesem Fall für die Verteidigung demokratischer Werte einzusetzen, lastet ebenfalls auf diesem Prozess. Die, die behaupten, der Abdruck dieser Zeichnungen in einer Wochenzeitung schade dem Dialog zwischen den Religionen und gefährde die Koexistenz in einem nicht-sakralen und friedlichen politischen Raum, hätten lieber auf die juristische Keule verzichten sollen. Ihre Kritik wäre dann folgerichtiger geworden und hätte sich dort äußern können, wo sie hingehört: in einer Debatte." (07.02.2007)
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