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Top-Thema vom Mittwoch, 9. Januar 2008


Neapels Müllproblem


Die süditalienische Stadt Neapel versinkt im Müll, seit Wochen ist er nicht abtransportiert worden. Nun will Ministerpräsident Romano Prodi das Problem mit Hilfe der Armee lösen.


Diena - Lettland

Für Aivars Ozolins ist die Müllkrise in Italien ein Symbol der Schwäche des italienischen Staates. "Italien ist nicht irgendein EU-Land, es gehört zu den sechs Gründerstaaten der Montanunion, der Basis einer Europäischen Gemeinschaft. Noch 1987 war die Wirtschaftsleistung Italiens mit Großbritannien vergleichbar, nun wird Italien sogar schon von Spanien überholt, das erst 1986 EU-Mitglied geworden ist... Die aktuelle Krise wurde nach allgemeiner Auffassung von der Mafia ausgelöst, die von den Behörden mehr Geld für die Entsorgung des Mülls erpressen will. Aber sie zeigt auch die Schwäche der Zentralregierung und des politischen Systems in Italien insgesamt." (09.01.2008)


Helsingin Sanomat - Finnland

Probleme wie in Neapel gibt es überall, meint die finnische Zeitung: Müllentsorgung wollten alle, niemand aber Deponien oder Verbrennungsanlagen in der Nachbarschaft. "Die Proteste der Anwohner sind jedoch nur ein Teil des Müllproblems. Die Hauptschuld liegt bei der Verwaltung und bei den Politikern, die nicht in der Lage sind, mit der Camorra fertig zu werden, die das Müllgeschäft in Neapel betreibt... Nun hat die Regierung einen Krisengipfel abgehalten und radikale Maßnahmen zur Lösung des Problems beschlossen. Ist das glaubwürdig? Man hätte viel früher handeln müssen." (09.01.2008)


Corriere della Sera - Italien

Pierluigi Battisti, Journalist und Schriftsteller, sieht in der Müllkrise in Neapel ein Zeichen für das Ende der 'Zweiten Republik', die es seit Einführung des Mehrheitswahlrechts vor 15 Jahren gibt. "Die sterblichen Überreste der Zweiten Republik ruhen unter einem Berg von Abfällen... Der Traum einer 'großen Veränderung' ist aus und wird in Schande entsorgt. Italien geht im Chaos und in den Flammen der Revolte von Neapel unter. Die Zweite Republik verwandelt sich in eine Anhäufung von Abfällen, ein Symbol für unser Land, das die TV-Sender in alle Welt übertragen. Von einer italienischen Renaissance sind wir weit entfernt... Die Brände von Neapel gleichen einem riesigen Scheiterhaufen der Eitelkeiten." (09.01.2008)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Tobias Piller beschreibt, wie sich die Müllkrise in Neapel über viele Jahre entwickelt hat. Immer mehr Neapolitaner haben den Müllnotstand zum Beruf gemacht. "Zum Meisterwerk gerieten dem Regionalpräsidenten Antonio Bassolino und seinem Vorgänger Andrea Losco aber die Bemühungen um die Einführung eines Trennmüllsystems für Neapel und Umgebung: Ohne offizielles Bewerbungsverfahren und damit auf Zuruf der Mächtigen wurden 2000 rund 2400 Müllmänner für das Einsammeln von Trennmüll eingestellt und für 65 Millionen Euro Maschinen und Lastwagen gekauft. Die Lastwagen sind verschwunden. Die Müllmänner geben offen zu, dass sie zwar seit 2000 Gehalt beziehen, aber noch kein einziges Kilo Trennmüll eingesammelt haben... Das ist das Gute am Notstand für die Strippenzieher: Wenn angeblich schnell gehandelt werden muss, wird es viel leichter, ohne transparente Ausschreibung Geschäftsfreunde und Parteigänger zu begünstigen." (09.01.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 9. Januar 2008

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