Navigation

 

Top-Thema vom Dienstag, 16. September 2008


Schwarzer Montag


Eine der größten Bankenpleiten der Geschichte erschüttert das internationale Finanzsystem. Die Insolvenz der viertgrößten US-Investmentbank der USA Lehman Brothers führte am Montag weltweit zu drastischen Kursverlusten an den Börsen. Welche Auswirkungen hat die Krise auf die europäischen und internationalen Finanzsysteme?


Delo - Slowenien

Laut der Tageszeitung Delo zieht die Krise auf dem amerikanischen Finanzmarkt immer weitere Kreise. "Wie es aussieht gibt es noch mehr Sündenbocke und das amerikanische Finanzsystem kommt in immer größere Schwierigkeiten. Diese [Probleme] hat sich das Finanzsystem durch zu wenige Kontrollen, durch Geldgier und Nichtberücksichtigung der Risiken selbst eingebrockt. ... Die internationale Finanzkrise ist schon lange auch ein globales Problem. Vor allem die EU nimmt dieses äußerst vorsichtig in Angriff – auf dem letzten Finanzgipfel der EU in Nizza war es sozusagen Tabu über Rezession zu sprechen ... doch der gestrige Börsensturz in Europa und in der Welt ... deuten darauf hin, dass die turbulenten Zeiten noch lange nicht vorbei sind. ... Die Zeche, die in der Wall Street angefallen ist, wird die Wirtschaft auf der ganzen Welt noch eine Weile zahlen." (16.09.2008)


Frankfurter Rundschau - Deutschland

Die Frankfurter Rundschau bedenkt die Auswirkungen der US-Finanzkrise auf die europäischen Banken: "Es sollte niemanden wundern, wenn bald die [europäischen] Notenbanken direkt in die Finanzmärkte eingreifen müssen, etwa um den Dollar zu stützen oder um die Aktienmärkte vor dem Kollaps zu bewahren. Genauso möglich ist es, dass auch in Europa nun weitere Banken kippen. ... Nie zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das systemische Risiko derart mit Händen zu greifen. Unter systemischen Risiko verstehen Experten das Risiko von Kettenreaktionen. ... Sprich: Überall werden Verluste auflaufen. Werden es auch alle verkraften? Wenn es richtig schlecht läuft, werden die Steuerzahler in Europa ... Milliarden Euro für die Rettung hiesiger Banken aufbringen müssen, wird sich die Rendite aus Lebensversicherungen und anderen Altersvorsorgeprodukten für die Menschen hierzulande kräftig reduzieren, wird die Krise Europa Millionen Arbeitslose bescheren. Danke, Amerika!" (16.09.2008)


El País - Spanien

Angesichts der weltweiten Kursabstürze an den Börsen spricht die Tageszeitung El País von der "schwersten Finanzkrise seit dem Crash von 1929" und mahnt an, Konsequenzen zu ziehen: "Die Lektion, die wir aus diesem Crash lernen müssen, ist, dass die komplexe Finanzwelt Aufsichtsmechanismen von ebensolcher Komplexität benötigt und, dass das Eingreifen des Staates, um Banken zu retten, nur dann gerechtfertigt ist, wenn sich das US-amerikanische System der strengen Kontrolle der Finanzrisiken unterwirft. Wird diese Lektion nicht angenommen, wird die Weltwirtschaft durch unverantwortliches Handeln permanent von Systemkrisen bedroht sein. Die Marktwirtschaft wird sich in ein durch öffentliche Gelder getragenes Roulette-Spiel verwandeln. ... Im aktuellen Panorama einer sich verschlechternden Wirtschaft sollte man bedenken, dass die europäischen Volkswirtschaften – auch wenn sie im Prinzip frei sind von den schlechten Praktiken, die die Krise ausgelöst haben – dennoch ihre Auswirkungen spüren werden, mindestens ebenso stark wie die USA oder noch stärker." (16.09.2008)


Financial Times - Großbritannien

Mit Blick auf die Pleite des US-Investmenthauses Lehman Brothers prophezeit die Tageszeitung Financial Times Konsequenzen für die Regulierung der Banken: "Die Welt ist nicht untergegangen. Die Weltwirtschaft ist noch nicht zusammengebrochen. Aber eine Sache ist jetzt ziemlich deutlich: Das Bankensystem, so wie wir es kannten, hat versagt. ... Es wird weitere Rufe nach mehr Regulierung geben, und das ist verständlich. Aber es ist naiv zu denken, dass die richtige regulatorische Antwort offensichtlich ist. Von armseliger Betriebsführung über fehlerhafte Anreize, bis zu inkompetentem Risiko-Management ... reichte das Versagen des Finanzsystems . ... Enge Kapital-Anforderungen werden wahrscheinlich als umfassende Antwort auf das Risiko dienen. In diesem Fall wird das Bankensystem eher wie das der 60er Jahre aussehen – eine Dienstleistungswirtschaft, die bei niedrigem Risiko niedrige Verdienste hat. Die Ambitionierten und Habgierigen werden ohne Zweifel aufregendere Jagdgründe bei den Hedge Fonds und Pivate-Equity-Gruppen suchen." (16.09.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 16. September 2008

Weitere Inhalte