Top-Thema vom Dienstag, 14. Oktober 2008
Den eigenen Weg gehen
Die europäische Presse lobt das gemeinsame Vorgehen der 15 Staaten der Eurogruppe in der Finanzkrise. Europa habe sich den Vereinigten Staaten gegenüber stark gezeigt und soll auch in Zukunft einen eigenen Weg gehen – vielleicht nach dem Modell "Soziale Marktwirtschaft". Eine Rezession wird sich dennoch kaum abwenden lassen.
Les Echos - Frankreich
Die Wirtschaftszeitung Les Echos lobt die Europäische Union für ihre Initiative in der Finanzkrise: "Nicht in Washington, sondern in Paris hat sich die wichtigste Szene des Wochenendes abgespielt. Es mag sein, dass sie einige Zeit gebraucht haben, da Europa eine Gruppe von Staaten mit oft egoistischen Reflexen ist, doch ihr Verdienst ist umso größer. Aus Europa und besonders aus Großbritannien kamen die am besten durchdachten Vorschläge für einen Ausweg aus der Krise und, was noch wichtiger ist, für den Aufbau eines gesünderen Finanzsystems. ... Zwischen Frankreich und Deutschland, Großbritannien und Irland wie auch zwischen Paris und Madrid kam es oft zu heftigen Spannungen. Doch am Ende, und das zählt, hat sich etwas bewegt. ... Angesichts des gravierenden Mangels an Führungsstärke, den die scheidende Bush-Regierung hinterlassen hat...,ist es nun die Aufgabe des etwas geeinteren Europa, ...die Fundamente eines besser regulierten Finanzsystems aufzubauen. Es gibt viel zu tun." (13.10.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Nicolas Barré
Népszabadság - Ungarn
Nach Ansicht der links-liberalen Tageszeitung Népszabadság hat die EU die Wahl zwischen einem engeren Zusammenrücken oder der Zersplitterung: "Es ist bezeichnend, dass gerade der dem Euro skeptisch gegenüber stehende britische Premier Gordon Brown den 15 Ländern der Euro-Zone erklären musste, was zu tun sei: Kapitalzufluss für die Banken aus öffentlichen Geldern; die Neubelebung der Kreditvergabe unter den Banken, um den Kreislauf der Wirtschaft zu stimulieren, und schließlich staatliche Garantien zur Deckung der Bankkredite, um das verloren gegangene Vertrauen der Kreditnehmer zurück zu erlangen. ... Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die europäischen Volkswirtschaften den Schutzschild der EU-Institutionen und des Euro nicht gehabt hätten. ... Die vergangenen Wochen haben uns zu folgender Einsicht gebracht: Ohne echte politische Union ist Europa gar nicht imstande, andere Antworten auf Krisen zu geben, als jene, die sie unter immensen Anstrengungen jüngst aus sich herausgepresst hat." (14.10.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Miklós Blahó
El País - Spanien
Die Tageszeitung El País plädiert für einen Ausbau der sozialen Marktwirtschaft in Europa: "In der Tat hat die Europäische Union, gestützt durch die Euro-Zone und die Europäische Zentralbank, einen doppelten Vorteil: Erstens ist sie nicht der Ursprung der Krise, was beweist, dass ihr Markt besser reguliert ist; und zweitens - auch wenn diese Idee in britischen Ohren beleidigend klingen mag - hat sie ihr eigenes Modell. Wir haben gehört, wie Angela Merkel auf die Soziale Marktwirtschaft angespielt hat - ein Konzept, das besser zu Europa passt als der unregulierte Markt. ... Europa sollte gerade in diesen Zeiten, in denen die Imperative des Staates und die Regulierungen des sozialdemokratischen Typs wieder an Land gewinnen, dem Ruf folgen, die soziale Marktwirtschaft zu erhalten. Dies sollte ohne Komplexe gegenüber dem anglo-amerikanischen Finanzkapitalismus geschehen, dessen Zusammenbruch wir gerade alle erleiden." (14.10.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Jean-Marie Colombani
Financial Times Deutschland - Deutschland
Die Tageszeitung Financial Times Deutschland sieht die Finanzkrise kurzfristig als bewältigt, befürchtet aber, dass Europa in eine Rezession rutscht: "Die Politik kann ... das Gefühl genießen, dass sie in der Rolle des Retters doch nicht heillos überfordert ist. Ob nun ... wieder ... Vertrauen Einzug hält und die Gefahr gebannt ist, dass das Bankensystem zusammenbricht, kann niemand ... einschätzen. ... Angesichts des ... Ausmaßes der Krise war die Rettungsaktion ... unvermeidlich. ... [Doch] selbst wenn es gelingen sollte, die Finanzkrise ... einzudämmen, so ist damit eine drängende Frage noch nicht beantwortet: Was muss geschehen, um zu verhindern, dass Europa in eine tiefe Rezession rutscht? Weitgehend unabhängig von der aktuellen Finanzkrise ist die Wirtschaft in der Euro-Zone bereits vor einigen Monaten auf Talfahrt gegangen - getrieben von hohen Energiepreisen, dem teuren Euro und schwächelnden Exportmärkten. ... Jetzt aber die Subventionsspirale anzutreiben und eine Branche nach der anderen mit Staatsgeld zu versorgen, wäre ein fatales Signal ... ." (14.10.2008)
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