Top-Thema vom Donnerstag, 6. November 2008
Hohe Erwartungen
Nach dem Jubel über seine Wahl zum 44. US-Präsidenten hat die europäische Presse hohe Erwartungen an Barack Obama. Er soll die Vereinigten Staaten aus der Finanzkrise führen und vor allem die Beziehungen seines Landes mit Europa und der Welt verbessern. Doch die Medien warnen auch vor zuviel Euphorie.
Jyllands-Posten - Dänemark
Auf Obama kommen gewaltige Aufgaben zu, schreibt die Tageszeitung Jyllands-Posten: "Der neu gewählte Präsident hat die Macht offiziell noch nicht übernommen, da muss er schon die Wirtschaft in den Griff bekommen. Er soll einen verantwortungsvollen Rückzug aus dem Irak einleiten und die Bürgerrechte respektieren. Gleichzeitig sollen sich die USA an die Spitze stellen und ihrem Anspruch als Supermacht gerecht werden. Die Welt wartet auf eine neue Energiepolitik und einen verantwortungsvollen Kurs gegen die Klimaerwärmung. Die Amerikaner erwarten, dass alle ins Krankenversicherungssystem aufgenommen und die Löcher im sozialen Netz gestopft werden. Die Liste der Probleme ist noch länger und keiner kann sie alleine lösen. Deshalb ist es gut zu hören, dass der geschlagene John McCain die Hand zur Zusammenarbeit ausstreckt." (06.11.2008)
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Postimees - Estland
Die Tageszeitung Postimees fragt, wie es mit der Außenpolitik aussehen wird: "Für uns in Estland und in ganz Europa ist es ganz besonders wichtig, welchen Kurs die USA hier einschlagen. Die Fehleinschätzungen von George W. Bush in Bezug auf den Nahen und Mittleren Osten haben hunderte Milliarden an Steuergeldern verschlungen, dafür aber lediglich in gefährlichem Maß die Glaubwürdigkeit der USA beschädigt. Zu den ersten Aufgaben des neuen Kapitäns wird es daher gehören, dieses verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen. Die Welt wird nach dem Ende des Kalten Krieges immer multipolarer, auch wenn für viele in den USA der Verlust der früheren Hegemonialstellung schmerzhaft ist." (06.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Enn Soosaar
Kathimerini - Griechenland
Die Tageszeitung Kathimerini meint, Obama müsse mit der Wirtschaft beginnen: "Schließlich hat es sich auch in der Praxis erwiesen, dass es die Wirtschaft war, die Obama den Sieg gegeben hat … 1992 wurde Bill Clinton mit der Parole gewählt 'It's the economy, stupid'. Zum zweiten Mal innerhalb von 16 Jahren hat ein demokratischer Kandidat gewonnen, weil seine wirtschaftliche Botschaft akzeptiert worden ist ... Obama muss jetzt die von ihm versprochene fortschrittliche Wirtschaftspolitik umsetzen, die die Arbeiterklasse sowie die Mittelklasse ... fördern und gleichzeitig das Vertrauen der Märkte bewahren wird … 62% der Wähler haben in einer Umfrage angegeben, dass die Wirtschaftslage der wichtigste Faktor für ihre Entscheidung war. Nur 10% erwähnten den Terrorismus oder andere Themen." (06.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Athanasios Ellis
Népszabadság - Ungarn
Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im ungarischen Parlament, Zsolt Németh, schreibt in der linksliberalen Zeitung Népszabadság: "Wir brauchen die USA, besonders in einem Moment, da die Außenpolitik Russlands wieder von einer Einteilung in Interessensphären bestimmt ist. Die Zerbrechlichkeit des transatlantischen Verhältnisses stellt heute das wahre Sicherheitsrisiko für Osteuropa dar. ... Der Wahlsieg von Barack Obama gibt uns Hoffnung, diese Fragilität im Verhältnis zwischen den USA und Europa zu überwinden. ... Das tschechisch-polnisch-amerikanische Raketenabwehrsystem etwa ... birgt auch eine politische Botschaft: Die USA bleiben weiterhin in der Region. ... Es bleibt nun zu hoffen, dass im Kreis der Demokraten nicht jene Fachmeinungen die Oberhand gewinnen, die in Sicherheitsfragen einen schrittweisen Rückzug der USA aus unserer Region befürworten, sondern dass jene Außenpolitiker aus der Ära von Bill Clinton bestimmend sein werden, die uns den Weg in die Nato geebnet ... haben." (06.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Zsolt Nemeth
Lidové noviny - Tschechien
"Mit Obama kommt die Wende. Das wissen seit mindestens einem Jahr auch die Tschechen", schreibt die konservative Tageszeitung Lidové noviny. "Aber wie wird sich diese Wende auf den tschechischen Beitrag zum US-Raketenschild auswirken? Wie wird sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft beeinflussen? Wird Obama Europa als einem einheitlichen Ganzen gegenüber treten, oder wird er zwischen altem und neuem Europa unterscheiden? Die Antwort werden wir im Januar aus erster Hand bekommen, wenn Prag mit dem EU-Vorsitz Obamas Partner für ganz Europa sein wird. ... Derzeit machen alle Obama zur Projektionsfläche ihrer Erwartungen. Obama ist ihr Winnetou, sie selbst sind Old Shatterhand. Mit einem solchen 'roten Gentleman' lässt es sich verhandeln, mit ihm kann man Hoffnungen verknüpfen. Willkommen, Blutsbruder Obama!" (06.11.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Zbyněk Petráček
NRC Handelsblad - Niederlande
Die Wirtschaftszeitung NRC Handelsblad warnt vor falschen Hoffnungen: "Die Erwartungen sind ... hoch. Auch in Europa. Hier ist das Ergebnis mit unverhohlener Erleichterung aufgenommen worden, auch wenn das Programm von Obama auch Opfer verlangen wird, zum Beispiel in Afghanistan. Außer der Hoffnung ist nun auch Realitätssinn nötig. Die Präsidentschaft von Obama erzwingt nämlich überall neue Allianzen." (06.11.2008)
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