Top-Thema vom Mittwoch, 3. Dezember 2008
Obamas Team
Der gewählte US-Präsident Barack Obama hat sein Kabinett vorgestellt. Besonders seine Entscheidung, Hillary Clinton zur Außenministerin zu machen, ist kontrovers. Die europäische Presse diskutiert Europas Erwartungen an das neue Team in Washington.
To Ethnos - Griechenland
Die Tageszeitung To Ethnos meint, Obama habe die US-Bürger schon jetzt enttäuscht: "Die 60 Millionen Amerikaner, die Obama gewählt haben, hätten in ihren schlimmsten Alpträumen nicht gedacht, dass er ihr Verlangen nach Wandel so massiv ignorieren würde. … Obama hat einen Kompromiss geschlossen und alles an die Vertreter des Establishments abgegeben. In seiner Regierung gibt es es keinen einzigen progressiven Demokraten! Zum ersten Mal hat ein amerikanischer Präsident seine Wähler so stark enttäuscht, bevor er sein Amt angetreten hat. Die Vision des Wandels … ist eine Totgeburt. Wir haben es mit einem Schaufenster-Präsidenten zu tun, der für die Public Relations Amerikas gewählt worden ist, und mit einem einzigen Ziel: das Bild Amerikas in der Welt zu verbessern; aber dies tut er, ohne politischen Wandel zu bringen." (03.12.2008)
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Dnevnik - Slowenien
Obamas Entscheidung, Hillary Clinton zur US-Außenministerin zu machen, ist nach Meinung der Tageszeitung Dnevnik "Ausdruck seines großen politischen Mutes und Selbstbewusstseins, manchmal an Naivität grenzend. In seinem ersten Amtsjahr wird sich Obama natürlich vor allem mit der Lösung der Wirtschaftskrise beschäftigen müssen. Deshalb bringt ihm eine Autoritätsperson an der Spitze des Außenministeriums Vorteile. ... Obama ist offensichtlich überzeugt, dass er am Verhandlungstisch mit Hillary Clinton genügend Zusicherungen bekommen hat, dass sie ihre Ambitionen den seinen unterordnen wird. Doch mit der Wahl Clintons hat sich Obama gleich zwei Außenminister geholt, denn im Paket hat er auch den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton bekommen. ... Außerdem hat Obama noch einen dritten 'Außenminister', den Vizepräsidenten Joe Biden, dem er eine einflussreiche Rolle in der Regierung versprochen hat. ... Das kann eine willkommene Sache sein oder aber das Rezept für eine Katastrophe, falls es Obama nicht gelingt, die Egos in seinem außenpolitischen Team zu zähmen." (03.12.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Andrej Brstovšek
De Volkskrant - Niederlande
Es sei voreilig zu urteilen, der versprochene Wandel werde ausbleiben, auch wenn Obama auf den ersten Blick auf Kontinuität zu setzen scheint, meint die Tageszeitung De Volkskrant. "Angesichts der vielen Angriffe auf seinen vermeintlichen Mangel an Erfahrung muss man sich nicht wundern, dass Obama bei der Zusammenstellung seiner Regierung auf Nummer Sicher geht. Ein Wahlkampf ist außerdem etwas anderes als das Regieren. Die Kontinuität siegt dann fast immer über die Neuerungen. Die Interessen der USA in der Welt werden sich nach dem Amtsantritt Obamas nicht sofort verändern, aber doch die Art und Weise mit der der neue Präsident sie verfolgen will. Obama bestätigte dies, als er bei der Vorstellung seines außenpolitischen Teams betonte, dass er Amerikas militärische Macht instand halten wolle, aber daneben auch der Diplomatie und der internationalen Zusammenarbeit als außenpolitischen Instrumenten einen wichtigeren Stellenwert einräumen will. Mehr Soft Power und weniger Hard Power. Das ist eine mehr als willkommene Veränderung." (03.12.2008)
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Kaleva - Finnland
Die Tageszeitung Kaleva begrüßt Barack Obamas Entscheidung, Hillary Clinton zur Außenministerin zu ernennen. "Obama hatte den Mut, seiner letzten harten Rivalin in der Demokratischen Partei auf dem Weg zum Präsidentenamt einen Schlüsselposten zu übertragen - einer Kandidatin, die vor acht Jahren als Ehegattin des damaligen Präsidenten im Weißen Haus lebte. ... Diese und frühere Entscheidungen Obamas zeigen sein außergewöhnliches Selbstvertrauen, seinen Mut, auch Gefahren auf sich zu nehmen. Er stellt sein Kabinett bewusst aus Persönlichkeiten zusammen, die beides sind: eindeutig talentiert und eindeutig unabhängig. ... Das zeigt einen starken und entschlossenen politischen Führungsstil. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Obamas Regierung noch keinen einzigen Tag im Amt war. Es ist daher unmöglich zu wissen, was die Realität bringen wird. ... Seit 1996 haben die USA drei Frauen zur Außenministerin ernannt - Madeleine Albright, [Condoleezza] Rice und [jetzt] Clinton. Das Geschlecht ist schon mehr Regel als Ausnahme. Damit wurde die Rolle der Frau in der Weltpolitik wesentlich erhöht." (03.12.2008)
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Irish Independent - Irland
Die Tageszeitung Irish Independent schreibt zur Ernennung Hillary Clintons zur US-Außenministerin: "Vernunftehen erweisen sich oft als erfolgreich. Es gibt keinen Zweifel an Clintons Tauglichkeit für den Job. Die Ernennung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern demonstriert die Weite von Obamas Netz und die Stärke seines Geistes. Er muss [aber] immer noch einige Bedenken haben. Seine Versöhnung mit der Clinton-Familie war stets heikel. [Der ehemalige US-Präsident] Bill Clinton hat sich erst in einer sehr späten Phase des Präsidentschaftswahlkampfs für ihn eingesetzt. Jetzt bestand der künftige Präsident darauf, eine Liste von Spendern für die Bibliothek und die wohltätigen Einrichtungen des früheren Präsidenten zu bekommen. Die Möglichkeit, dass es zu Peinlichkeiten kommen könnte, ist allzu offensichtlich. Aber er hat eindeutig entschieden, dass es das Risiko wert ist, Frau Clinton eine Position von solchem Gewicht und Prestige zu geben. Es wird seine Regierung stärken und ihn selbst großmütig aussehen lassen." (03.12.2008)
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