Top-Thema vom Freitag, 16. Januar 2009
EZB reagiert auf Rezession
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins auf zwei Prozent gesenkt und damit auf die sich verschärfende Rezession im Euro-Raum reagiert. Die europäische Presse diskutiert über den Schritt, der auch einer drohenden Deflation entgegenwirken soll.
Le Monde - Frankreich
Die Tageszeitung Le Monde analysiert die Auswirkungen der Leitzinssenkung. "Die Leitzinssenkung wirkt als sofortige Unterstützung des Finanzsektors, aber sie braucht normalerweise sechs Monate bis ein Jahr, um sich in der Wirtschaft zu verbreiten. In der gegenwärtigen Zeit der Krise und der Angst vor Risiken verringert sich der Effekt der Maßnahme, wird die Auswirkung für die Aktivität vermindert. ... Die Zinssenkung hat auch eine psychologische Wirkung auf die Wirtschafts- und Finanzakteure. Die Verschlimmerung der Krise in der Euro-Zone zwang die EZB dazu, die Kreditzinsen erneut zu senken, während es im Dezember 2008 noch so schien, dass sie sich mehr Zeit lassen wollen. ... Eine Senkung der Spanne zwischen den Leitzinsen der Euro-Zone und ihren Partnern ist auch ein Hinweis für den Wechselkurs des Euros gegenüber anderen Währungen: Der Euro ist weniger verlockend als zuvor, weil er weniger einträglich ist." (15.01.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Adrien de Tricornot
taz - Deutschland
Die Leitzinssenkung auf zwei Prozent sei zu wenig, findet die linke tageszeitung und sieht die EZB in einem Dilemma: "Offenbar fürchtet die Bank, dass sie jede Handlungsfähigkeit verliert, wenn sie die Zinsen zu stark senkt. Denn bekanntlich können Zinsen nicht unter Null fallen. Und so steckt die Zentralbank in einem Dilemma: Reduziert sie die Zinsen ein wenig, bewirkt sie nichts. Wagt sie gleich die Null, ist sie fortan machtlos. Sie könnte dann nur noch, wie es in den USA ja schon geschieht, zu völlig unorthodoxen Methoden greifen - und zum Beispiel den Banken ihre Schrottpapiere abnehmen. Gerade die Vorsicht der Europäischen Zentralbank zeigt, dass die Geldpolitik inzwischen machtlos ist. Nur mit Zinssenkungen allein lässt sich die Wirtschaft nicht mehr stimulieren." (16.01.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Ulrike Hermann
ABC - Spanien
Die konservative Tageszeitung ABC glaubt nicht an die direkte Auswirkung des preiswerten Geldes: "Die Europäische Zentralbank hat gestern den Preis für das Geld auf zwei Prozent gesenkt. Fachleute schließen weitere Senkungen in den kommenden Monaten nicht aus, in dem Versuch, mit dem preiswerteren Geld die Investitionen und den Konsum zu steigern. Eine schwierige Aufgabe, denn die Kredite kommen trotz Zinssenkung noch nicht bei den Familien und den kleinen und mittleren Unternehmen an." (16.01.2009)
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Financial Times - Großbritannien
Die Wirtschaftszeitung Financial Times macht sich Gedanken, was passiert, wenn der Leitzins in der Eurozone die Null-Prozentmarke erreicht: "Es wird immer wahrscheinlicher, dass Europa unkonventionelle politische Maßnahmen einsetzen muss. Sollte der Leitzins die Nullprozentmarke erreichen, würde eine weitere monetäre Lockerung von der EZB verlangen, Vermögenswerte aufzukaufen und dadurch Verbindlichkeiten für die Regierungen der Eurozone zu schaffen. Es gibt jedoch keine einheitliche fiskalische Behörde, mit der die EZB solch eine Aktion koordinieren könnte. Stattdessen gibt es 16 davon, die sich alle in einer anderen Lage befinden und eigene Probleme haben. So brauchen die Regierungen der Eurozone im nächsten Monat einen Plan für den Fall, dass der Leitzins die Null-Prozentmarke erreicht. Sie sollten der EZB die Führung in der Anwendung solcher monetären Politik überlassen und ihr angemessene Parameter vorgeben, innerhalb derer sie operieren soll. Europa muss zusammenstehen." (16.01.2009)
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De Standaard - Belgien
Die Tageszeitung De Standaard befasst sich mit den Folgen der Zinssenkung der EZB und den Milliarden-Programmen zur Ankurbelung der Konjunktur. "Keiner kann mit Sicherheit sagen, dass diese Maßnahmen zu einer schnellen Lösung führen. Aber keiner hat auch eine bessere Idee. Es klingt paradox, dass wir die Krise, die entstanden ist, weil zu schnell zu billige Kredite gegeben wurden, nun beenden, in dem wir noch Schulden machen. Es besteht die Gefahr, dass ein Schuldenberg aufgebaut wird, der langfristig das Wachstum bremst. ... Es wäre Irrsinn, wenn wir [in Belgien] - genau wie die Großen – massenweise nicht vorhandenes Geld in Umlauf brächten. Wir wissen nur, dass es uns für die kommenden Jahrzehnte eine unerträgliche Schuldenlast aufbürdet." (16.01.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Bart Sturtewagen
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