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Top-Thema vom Mittwoch, 28. Januar 2009


Papst rehabilitiert umstrittenen Bischof


Papst Benedikt XVI. hat vier exkommunizierte Traditionalisten-Bischöfe rehabilitiert, die vor rund 20 Jahren ohne päpstliche Zustimmung von dem französischen Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht wurden. Darunter ist auch der Brite Richard Williamson, der öffentlich den Holocaust leugnete. Die europäische Presse diskutiert die umstrittene Entscheidung des Papstes.


Polska - Polen

Die Tageszeitung Polska bewertet die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., vier Bischöfe der konservativen Bruderschaft St. Pius zu rehabilitieren, als Versuch, eine drohende Spaltung der Kirche zu verhindern: "Die mutige Entscheidung von Benedikt XVI. in der Angelegenheit ... war die einzige Möglichkeit, die Kirche vor einem weiteren Schisma zu bewahren. Diese Entscheidung ... ist weder ein Erfolg noch eine Niederlage. Es war nur der Versuch, eine Brücke zwischen den Separatisten, die dem katholischen Traditionalismus die Treue geschworen haben, und dem Heiligen Stuhl zu bauen. Und der Versuch ist umso wichtiger, da die seit zwanzig Jahren faktisch existierende Trennung begonnen hat, sich zu institutionalisieren. Damit besteht die Gefahr, dass sich ein neues Bekenntnis herausbildet. Mit seiner Entscheidung, die Exkommunizierung aufzuheben, hat der Papst der Bruderschaft die geistliche Hand gereicht; er hat ihnen Versöhnung und die vollständige Einheit angeboten." (28.01.2009)


De Morgen - Belgien

Mit der Rehabilitierung des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson habe der Papst der römisch-katholischen Kirche keinen guten Dienst erwiesen, schreibt Dirk Verhofstadt, Autor eines Buches über Pius XII. während des Holocaust, in der Tageszeitung De Morgen: "Indem er Richard Williamson rehabilitiert, gibt der heutige Papst zwei Signale. Erstens deutet er an, dass Leugner und Antisemiten einen Platz an der Spitze der katholischen Kirche haben. Zweitens stärkt er damit die Autorität eines Bischofs, der mehr als 60 Jahre nach den grausamen Ereignissen offenbar die Geschichte umschreiben und Juden erneut entmenschlichen will. Welche gefährlichen und entsetzlichen Folgen dies in den vergangenen 2000 Jahren hatte, wissen wir alle." (28.01.2009)


Le Monde - Frankreich

Der Geschichtsprofessor und Theologe Matthieu Grimpret schreibt in der Tageszeitung Le Monde zu der Rehabilitierung von Bischof Richard Williamson: "Ich schäme mich heute zum ersten Mal in meinem Leben, Katholik zu sein. ... Ich verstehe nicht - und dies ist der Grund meiner Scham - dass man einen Mann wie Richard Williamson willkommen heißt, dessen Antisemitismus und Leugnung des Holocaust öffentlicher Gesprächsstoff sind. ... Es wäre für mich einfach, ... das Schicksal von Williamson, einem angezeigten Holocaustleugner ... mit dem Schicksal gewöhnlicher geschiedener und wieder verheirateter Gemeindemitglieder zu vergleichen, die nicht ... kommunizieren dürfen. Das Kirchenpersonal gibt den abscheulichen Eindruck, es sei für Katholiken besser, ein Antisemit statt geschieden zu sein." (27.01.2009)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Mit Blick auf die Rehabilitierung der vier Traditionalisten-Bischöfe fragt sich die Süddeutsche Zeitung, wohin der Papst seine Kirche führen wird: "Altgediente Ratzinger-Kritiker antworten, der Papst sei eben ein verknöcherter Mann, der den Vatikan in einen dogmatischen Elfenbeinturm verwandele und die Öffnung der Kirche zur Welt verweigere. Wer das verkannt habe, sei naiv gewesen. Tatsächlich müssen sich jetzt alle verunsichert fühlen, die Benedikt XVI. nach der Papstwahl vor vier Jahren freudig begrüßten - aller Bedenken zum Trotz. Viele glaubten, Joseph Ratzinger werde als Papst offener und großherziger agieren denn als 'Panzer-Kardinal'. Dieser Glaube wankt. ... Mag sein, dass nun wieder eine Phase der Öffnung folgt, gekrönt von einer Reise nach Jerusalem. Die spektakuläre Aufwertung der Erztraditionalisten aber kann Benedikt nicht mehr vergessen machen. Sie bestätigt die Kritiker, erschüttert viele Anhänger und legt sich als unheimlicher Schatten auf das Pontifikat." (28.01.2009)


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt zu der Rehabilitierung der vier Traditionalisten-Bischöfe: "Benedikt hat sich den Kampf gegen Relativismus und religiöse Indifferenz auf seine Fahnen geschrieben, und da kann ihm Unterstützung von allen Seiten, auch von weit rechts außen, nur lieb sein. … Dass sich unter den vier traditionalistischen Bischöfen ein unverschämter Holocaust-Leugner befindet, mag Zufall oder angesichts der einstigen antijüdischen Propaganda in der katholischen Kirche auch kein Zufall sein. Die Peinlichkeit des päpstlichen Entgegenkommens im Fall Williamson wird nur dadurch gemildert, dass dieses ja keineswegs dessen bischöfliches Amt betrifft. Rehabilitiert wurde Williamson als gewöhnlicher Katholik, nicht als ein vom Papst beauftragter Bischof und schon gar nicht als Holocaust-Leugner." (27.01.2009)


La Repubblica - Italien

Nach der Rehabilitierung des exkommunizierten konservativen Bischofs Richard Williamson fordert Marco Politi in der links-liberalen Tageszeitung La Repubblica eine öffentliche Stellungsnahme des Papstes: "Jetzt muss der Papst sprechen. ... Vom Oberhaupt der [katholischen] Kirche wird eine Antwort erwartet, ob ein katholischer Bischof den Holocaust leugnen darf, und vor allem, ob ein solcher Leugner Bischof sein und weiter Funktionen innerhalb der Kirche erfüllen darf." (28.01.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 28. Januar 2009

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