Top-Thema vom Montag, 2. Februar 2009
Nach der Krise?
Vor dem Hintergrund der Finanzkrise ist am Sonntag in Davos das 39. Weltwirtschaftsforum zu Ende gegangen. Das Motto in der Schweiz hieß "Die Welt nach der Krise gestalten". Konkrete Lösungsvorschläge blieben jedoch aus. Die europäische Presse zieht Bilanz.
Le Temps - Schweiz
Nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos sieht die Tageszeitung Le Temps einen Silberstreif am Horizont der Krise, warnt aber vor Protektionismus: "Die Krise ist weltweit und schlimm, sehr schlimm. ... Dennoch gibt es eine gute Neuigkeit. Gegenmaßnahmen existieren, und sie sind bekannt. Das Weltwirtschaftsforum in Davos diente wenigstens dazu, sie zusammenzufassen: koordinierte staatliche Aktionen müssen auf internationaler Ebene durchgeführt werden, um die Finanzwelt zu stabilisieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Hinzu kommt die Verpflichtung, den Handel zu unterstützen. Dennoch heben sich schon die Schranken. London, Brüssel und Washington sind dabei, den Lobbys und den Rufen der Straße nachzugeben. Der brasilianische Außenminister warnte in Davos, 1929 habe der Protektionismus aus einer Rezession eine Depression werden lassen. Damals wusste man vielleicht nicht um die Vorzüge des Handels. Das ist heute nicht mehr der Fall. Wir dürfen uns nicht zum Protektionismus verführen lassen. Die Verpflichtungen von Davos müssen eingehalten werden, besonders auf dem [Gipfel der] G20." (02.02.2009)
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Corriere della Sera - Italien
Mit Blick auf Davos gibt die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera Europa gute Noten und warnt vor nationaler Politik in der Krise. "In der Konfrontation mit der Krise kann Europa zwei Pluspunkte verbuchen und ist gleichzeitig Gefahren ausgesetzt, die andere nicht fürchten müssen. Der erste Punkt ist die soziale Marktwirtschaft. … Der zweite ist die Erfahrung mit der Globalisierung. Wenn auch auf den kontinentalen Raum begrenzt, wird doch in Europa seit über 50 Jahren eine Politik der Integration betrieben. … In Europa ist der 'Markt' mit dem Zusatz 'sozial' nicht nur eine Organisationsform wirtschaftlicher Aktivitäten. Die soziale Marktwirtschaft ist das Fundament der europäischen Integration. … Wenn die Mitgliedstaaten in der Handhabung der Krise zu einer nationalen Politik zurückkehren, ohne sich viel um die negativen Auswirkungen auf andere Staaten zu kümmern; wenn die Kontrolle durch die europäische Kommission nicht geduldet wird; wenn diese Tendenzen ausgerechnet jetzt Fuß fassen, dann verliert Europa die prinzipielle Basis seiner Integration. Das würde bedeuten, zu einem Zeitpunkt auf die Auflösung [der Union] zuzusteuern, an dem die Welt die Gültigkeit des europäischen Modells anerkannt hat und nachahmen will." (01.02.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Mario Monti
Aftonbladet - Schweden
Die Tageszeitung Aftonbladet beleuchtet, was die "Leitungsebene der Firma Erde" in Davos diskutiert hat, und fordert internationale Regeln: "Viele Ökonomen sprechen sich für einen anderen Weg aus, nämlich, dass ein Set von Regeln erstellt wird, um das ganze System viel strenger zu führen. Es geht beispielsweise darum, neue Finanzprodukte zu testen und zu billigen wie wir heutzutage auch Arzneimittel erst testen. Gift im finanziellen Blutkreislauf ist ja nachweislich nichts, womit man spielen darf. Vor allem müssen alle neuen Spielregeln international abgesprochen werden. So ähnlich wie es auch Übereinkommen im Handel gibt. Wie das gehen soll? Das weiß keiner. ... Wie auch immer, die Party ist definitiv vorbei." (02.02.2009)
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Dnevnik - Slowenien
In der Online-Ausgabe der Tageszeitung Dnevnik beschreibt Dejan Kovač die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Weltwirtschaftsforum in Davos: "Wenn es noch vor zwei Jahren verboten war, in Davos die Worte 'Staat' und 'Wirtschaftsregulierung' in einem Satz zu verwenden, so waren die Banker und Geschäftsleute, die sich noch getraut haben am Weltwirtschaftsgipfel teilzunehmen, diesmal bereit, auch die größten Brocken des staatlichen Interventionismus zu schlucken. ... Dass die noch vor kurzem neoliberale Welt nicht völlig auf den Kopf gestellt wurde, lag nur an der geteilten Angst vor Protektionismus. ... Die Wirtschaftskrise lässt sich nicht durch Milliardenspritzen aus Steuergeldern zur Sanierung der verlorenen Einsätze der Glücksspieler in den Spielkasinos der Wertpapiere lösen, sondern durch den Erhalt der Kaufkraft ... des Mittelstandes. Doch gerade der Mittelstand wird durch die Rezession und die steigende Arbeitslosigkeit ... ausgelöscht." (02.02.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Dejan Kovac
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