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Top-Thema vom Mittwoch, 4. Februar 2009


Imageverlust


Die Diskussion über die Rehabilitierung des Traditionalisten und Holocaust-Leugners Richard Williamson durch den Papst verschärft sich. In Deutschland hat sich jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschaltet und fordert von Benedikt XVI. eine Klarstellung zum Umgang mit dem Holocaust. Die europäische Presse diskutiert den Imageverlust des Papstes und der katholischen Kirche.


Helsingin Sanomat - Finnland

Im Streit um die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson appelliert die Tageszeitung Helsingin Sanomat an die Verantwortung des Papstes über die katholische Kirche hinaus: "Die moralische Kraft des Papstes der römisch-katholischen Kirche reicht viel weiter als nur bis zu den weltweit mehr als einer Milliarde Katholiken. Auf den Papst hört man, wenn es um Fragen von Krieg und Frieden, Hass und Nächstenliebe geht. ... Benedikt wollte die Einheit der Kirche flicken, nicht den Völkermord an den Juden in Zweifel ziehen. Aber seine Entscheidung war ein Fehler. Der Führung der katholischen Kirche in den 1940er Jahren wird Gleichgültigkeit gegenüber dem Holocaust vorgeworfen. Zudem ist Benedikt ein Deutscher. Israel und die Juden in Deutschland sind wütend über die Entscheidung des Papstes. Auch viele deutsche katholische Bischöfe haben den Papst in einer noch nie da gewesenen Art und Weise scharf kritisiert. ... Aufgabe des Papstes kann nicht nur die Verteidigung der Lehren der eigenen Kirche sein, er muss auch Sensibilität gegenüber der Menschheit im Allgemeinen und gegenüber ihrer Vielfalt zeigen." (04.02.2009)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Zu den weltweiten Protesten gegen die Rehabilitierung der vier Traditionalisten-Bischöfe durch Papst Benedikt XVI. schreibt die konservative Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Papst Benedikt hat nicht nur einen Holocaust-Leugner rehabilitiert, was nie und nimmer hätte geschehen dürfen. Er hat Bischöfen die volle Gemeinschaft angeboten, die eingestandenermaßen nicht auf dem Boden der Lehre der Kirche stehen und zudem die Spitze einer Bewegung bilden, die die Grundlagen demokratisch verfasster Gesellschaften ablehnt. Der Schaden für die Kirche im Allgemeinen und das Papstamt im Besonderen ist unermesslich." (04.02.2009)


Rzeczpospolita - Polen

Im Streit um die Rehabilitierung von Richard Williamson macht sich die konservative und deutschlandkritische Tageszeitung Rzeczpospolita für Benedikt XVI. stark: "Es ist nicht verwunderlich, dass die Deutschen in der Frage der Holocaust-Leugnung empfindlich sind. Man kann auch die Sensibilität der deutschen Regierungschefin [Angela Merkel] für die Empfindlichkeiten der Juden verstehen - und auch ihre Beunruhigung darüber, dass ausgerechnet einem Papst aus Bayern vorgeworfen wird, den Dialog zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum zu beeinträchtigen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Frau Kanzlerin der Stimme eines Großteils der deutschen Medien gefolgt ist. Sie hat den Papst daran erinnert, einen klaren Standpunkt in der Frage der Holocaust-Leugnung zu beziehen. Aber stimmt das so? Auf seiner Generalaudienz am 28. Januar hat Benedikt XVI. über seine Solidarität mit den Juden gesprochen, über die Notwendigkeit, der Shoah zu gedenken, und über seine Besuche in [dem Konzentrationslager] Auschwitz. ... Kann man jetzt noch sagen, der Vatikan habe das Thema 'Leugnung des Holocaust' vermieden?" (04.02.2009)


Corriere del Ticino - Schweiz

Die liberale Tageszeitung Corriere del Ticino äußert sich zu der vermeintlichen Absicht der Piusbrüder, Papst Benedikt XVI. von den Zielen des Zweiten Vatikanums abzubringen. Sie bezieht sich auf eine Predigt des Abbé Régis de Cacqueray-Valménier, der die Bruderschaft in Frankreich führt: "Die Predigt des Abtes sagt ohne diplomatische Filter, was die Lefebvrianer vom Papst wollen: die Rückkehr zu einem vormodernen Christentum und zu einer vorkonziliaren Doktrin der Kirche. Wenn die Predigt den wahren Gedanken wiedergibt, dann sind es für die Lefebvrianer nicht sie, die sich der Kirche wieder genähert haben, sondern die Kirche, die sich den Traditionalisten wieder genähert hat. Es ist nicht der Vatikan, der die vom Weg abgekommenen Brüder wieder in seinen Schoß aufgenommen hat. Es ist die Bruderschaft St. Pius X., die in ihrem Inneren die gesamte katholische Kirche, die sich in den laizistischen und progressiven Wirren des Konzils verirrt hat, wieder aufnimmt. ... Wird es den Traditionalisten gelingen, den Papst zu bekehren, der am Anfang seiner Amtszeit die Notwendigkeit unterstrichen hat, die Erneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils mit aller Kraft zu bestätigen?" (04.02.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 4. Februar 2009

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