Top-Thema vom Montag, 16. März 2009
G20-Staaten debattieren über Krisenkonzepte
Die Finanzminister der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) haben sich im südenglischen Horsham auf Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise geeinigt. Umstritten blieb die Forderung der USA nach einem international abgestimmten Konjunkturpaket. Das Treffen diente als Vorbereitung für den Weltfinanzgipfel am 2. April in London.
The Independent - Großbritannien
Die Tageszeitung The Independent gibt Deutschland Recht, erst einmal den Erfolg der ersten Konjunkturpakete abzuwarten. "Wenn irgendetwas Bedeutendes bei diesem Gipfel herauskam, ... dann die Tatsache, dass Deutschland und Frankreich lieber über Regulierung als über Geld reden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die [Premierminister Gordon] Brown traf, sagte in typisch nüchterner Manier, dass sie erst die Wirkung von Deutschlands großem Stimulus sehen will, bevor man mehr genehmigt. Merkel mag beschuldigt werden, nicht genug Gemeinschaftsgeist zu haben. Aber sie hat Recht, darauf zu bestehen, dass nicht einfach gutes Geld Schlechtem hinterher geschmissen wird." (16.03.2009)
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Financial Times Deutschland - Deutschland
Bei der Bekämpfung der Spirale aus Rezession und Finanzmarktkrise, hätten die Finanzminister der G20-Länder wenig erreicht, schreibt die Financial Times Deutschland: "Zum einen rätseln alle Regierungen nach wie vor, wie sich die Banken von toxischen Wertpapieren befreien lassen, um das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückzubringen. ... Zum anderen bleibt vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang April die Frage, ob die G20-Staaten wirklich genug tun, um die Konjunktur anzuschieben. ... Insofern ist es ein Rückschritt, dass sich die USA, die zuletzt zu Recht ein größeres Engagement der Europäer gefordert hatten, damit abfinden, dass die Konjunkturstimulierung Sache der einzelnen Staaten ist. Bei aller Notwendigkeit, das Finanzsystem auf eine neue Basis zu stellen: Es wäre fatal, wenn die Regulierungsreform zu einer Ersatzhandlung für den Kampf gegen die Rezession wird." (16.03.2009)
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Delo - Slowenien
Die Tageszeitung Delo ist skeptisch, ob der G20-Gipfel in London die Erwartungen erfüllen kann. "So haben es die Finanzminister bei ihren Beratungen im mittelenglischen Horsham nur auf einen kleinen gemeinsamen Nenner gebracht und 'verstärkte Bemühungen für die Steigerung des Wirtschaftswachstums" versprochen, ohne diese genauer zu definieren. Dies deutet auf einen Streit mit den USA hin. Trotz des entschiedenen Tons klingen die Antworten der G20 unkonkret. Vielleicht auch deswegen, weil sie die Entscheidung den Staatsmännern auf dem Londoner Gipfeltreffen überlassen wollen. Wenn diese aufgrund der unterschiedlichen Interessen überhaupt zu einem Entschluss fähig sind." (16.03.2009)
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La Repubblica - Italien
Die linksliberale Tageszeitung La Repubblica vermutet mit Blick auf den G20-Gipfel in London Unstimmigkeiten zwischen Europa und den USA. "Die EU scheint sich endlich einmal einig zu sein. Sie will Regeln, um Katastrophen in der Zukunft zu verhindern. ... Auch wenn das niemand in Brüssel laut sagt, besteht [allerdings] der Verdacht, dass sich hinter dem massiven Beharren Washingtons auf der Notwendigkeit des Ausbaus der finanziellen Hilfen eine [nur] geringe Bereitschaft Amerikas verbirgt, sich an der Front der Regulierung der Märkte mit einem kollektiven und koordinierten Engagement verbindlich einzusetzen. Es obliegt Barack Obama auf seiner ersten Reise als Präsident über den Atlantik, die Befürchtungen und das Misstrauen der europäischen Alliierten, die vom Finanzdesaster der Ära Bush schmerzhafte Wunden tragen, zu auszuräumen." (16.03.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Andrea Bonanni
El País - Spanien
Die spanische Tageszeitung El País hofft, dass der G20-Gipfel in London zum Wendepunkt im Kampf gegen die Krise wird: "Das kommende Treffen der G20 in London kann in der Tat den Umgang mit der globalen Krise erleichtern oder anderenfalls die Skepsis derjenigen bestätigen, die fatalistisch von der Unwirksamkeit von derlei Zusammenschlüssen der internationalen Zusammenarbeit ausgehen. Um eine Enttäuschung zu vermeiden, müssten die großen Volkswirtschaften sich dazu entscheiden, die öffentlichen Ausgaben signifikant zu erhöhen - zumindest in Relationen, die von der neuen US-Regierung angestrebt sind. Nur so könnte man die Spirale Arbeitslosigkeit-Deflation stoppen." (15.03.2009)
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