Top-Thema vom Freitag, 3. April 2009
Umfassende Reformen
Auf dem G20-Gipfel in London haben sich die führenden Wirtschaftsnationen auf umfassende Reformen des Finanzsystems geeinigt. Banken und Hedgefonds sollen besser kontrolliert werden. Steueroasen kommen auf eine schwarze Liste. Für die ärmeren Länder gibt es Hilfen von mehr als einer Billion Dollar (rund 747 Milliarden Euro).
Trouw - Niederlande
Das G20-Treffen in London sei ein "Gipfel der Weisheit" gewesen, schreibt die Tageszeitung Trouw: "Die Führer der 20 wichtigsten Ökonomien der Welt vermieden Streit über die Frage, wer was tun muss, um die eigene Wirtschaft aus dem Dreck zu ziehen. Zwar haben sie Meinungsverschiedenheiten, hielten sich aber in London an die Aufgabe, für die die G20 einst gegründet wurden: die weltweite Steuerung und Koordinierung von Wirtschaft und Handel. Der frühere amerikanische Präsident konnte eine solchen Satz nicht aussprechen, ohne sein Gesicht voll Ekel zu verziehen. Der neue, [Barack] Obama, ließ in London erkennen, dass die Amerikaner die weltweite Zusammenarbeit wieder im Blick haben. ... Auch die Entscheidung einen Sonderfonds zur Stimulierung des Handels einzurichten, passt zu der Erkenntnis, dass die Wirtschaftskrise kein Tal ist, aus dem sich jeder selbst wieder nach oben kämpfen muss - wenn es sein muss auf Kosten des anderen - sondern ein weltweites Problem. Viel mehr kann man von so einem Gipfel nicht erwarten. Wenn die jetzt gemachten Versprechen auch eingelöst werden, wäre das schon gut." (03.04.2009)
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Rzeczpospolita - Polen
Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita bewertet die Ergebnisses des G20-Gipfels kritisch: "Man hat nicht darüber gestritten, wie man die Welt retten kann, sondern darüber, wer ihre Kontrolle übernehmen soll. In London wollte man entscheiden, wer die entscheidende Kraft in der der post-globalen Welt sein wird: die Unternehmer oder die Politiker? Der G20-Gipfel hat diesen Streit aber letztlich nicht entschieden. Es gab ein kleines populistisches Feuerwerk zur Begrenzung der Banker-Gehälter sowie einige kritische Momente mit Bezug auf Sanktionen für Staaten, die Steuerparadiese zulassen. Ein Glück nur, dass sich die Waagschale der Weltfinanzordnung nicht in die Richtung sozialistischer und anti-marktwirtschaftlicher Lösungen geneigt hat. Um es einmal vorsichtig auszudrücken: Die [politischen] Führer haben allen das Gefühl gegeben, gewonnen zu haben." (03.04.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Tomasz Wroblewski
Lidové noviny - Tschechien
Die G20-Teilnehmer hätten in London vor allem Optimismus verkauft, bemerkt die konservative Tageszeitung Lidové Noviny: "Ist gute Laune eine ökonomische Kennziffer? Zweifellos ja. ... Mit der Krise selbst hat sich der Gipfel nicht befasst. Die Zustimmung zu Regulierungen, das scharfe Vorgehen gegen Steuerparadiese, die Einzahlung von Hunderten Milliarden in den Internationalen Währungsfonds - das alles sind nur Vorbereitungen auf den nächsten Krieg. Ein übertriebener Nachdruck auf Regulierungen kann auch kontraproduktiv sein. ... Der deutsche Finanzminister [Peer] Steinbrück sagte, Hauptziel des Gipfels sei die Aufsicht über die Finanzmärkte gewesen. Und das erste, worauf sich die Teilnehmer verständigten, ist der Kampf gegen die Steuerparadiese. Vor allem Deutschland und Frankreich drängten auf eine Verschärfung der Spielregeln. Aber darüber, ob sie unter diesen Bedingungen Geld in Konjunkturprogramme stecken sollen, werden die Regierungen jetzt einzeln selbst entscheiden." (03.04.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Zbyněk Petráček
Delo - Slowenien
Nach dem Weltfinanzgipfel in London bezweifelt die Tageszeitung Delo, dass die G20-Staaten mit den immer schwärzeren Krisenszenarien Schritt halten können: "Wenn man die verblüffenden, aber immer noch trockenen Zahlen in die Realität übersetzt, ist klar: eine derartige Deglobalisierung und ein derartiger Stillstand im Welthandel bedeuten die Streichung von Millionen von Arbeitsplätzen, große Verluste, Schulden und Ruin für Unternehmen, riesige staatliche Defizite und folglich auch menschliche Dramen sowie verstärkte soziale und politische Spannungen weltweit. Das Problem liegt darin, dass bisher keine der klassischen fiskalischen oder monetären Maßnahmen 'gegriffen' hat. Wegen eines Mangels an richtigen Ideen hat auch der G20 Gipfel - wie schon zuvor einige [einzelne] Regierungen - in politischen oder strategischen Maßnahmen Zuflucht gesucht, die aber mit Blick auf eine reelle Lösung der Krise nur nebensächlich sind, wie etwa die Beschneidung der Prämien für Bankenchefs." (03.04.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Miha Jenko
Corriere del Ticino - Schweiz
Die liberale Schweizer Tageszeitung Corriere del Ticiono sieht das Ergebnis des G20-Gipfels als "historische Wende", zweifelt aber an einer effizienten Umsetzung der Ziele: "Unter anderem werden die nicht kooperierenden Steuerparadiese verbannt. Sie kommen auf die schwarze Liste, was, wie bereits bekannt ist, nicht für die Schweiz gilt. Unser Land ist hingegen auf der grauen Liste der Länder gelandet, die beabsichtigen, die OECD-Standards zu respektieren, sie aber noch nicht umgesetzt haben. Es wird interessant sein, diese Listen anzuschauen und vor allem zu sehen, ob auf der grauen Liste auch Großbritannien und die USA anzutreffen sind, oder ob die Zwanzig in diesem Bereich von vornherein eine Doppelmoral walten lassen. ... Generell bleibt festzuhalten, dass die Zwanzig die Grundrisse einer neuen Finanzarchitektur entworfen, aber keine einzige Linie zum gemeinsamen Handeln vorgegeben haben." (03.04.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Alfonso Tuor
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