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Top-Thema vom Montag, 18. Mai 2009


Eurovision ist mehr als Musik


Menschen in ganz Europa haben am Samstag den Eurovision Song Contest begeistert verfolgt. Bei dem Gesangswettbewerb in Moskau sei es aber nicht nur um Musik gegangen, meint die europäische Presse.


Die Welt - Deutschland

Der Eurovison Song Contest bringe Europa zusammen, während die politischen Parteien vor den Europawahlen an ihrer Aufgabe scheiterten, die Menschen für Europa zu begeistern, schreibt Romanus Otte in der Tageszeitung Die Welt. Es sei wichtig, das Europaparlament zu stärken: "Deshalb empfinde ich die Spots und Plakate zur Europawahl als Frechheit. Sie sind fast frei von Aussagen zu Europa, von Vorschlägen für Europa und vor allem frei von jeglicher Begeisterung für Europa. … Suchen wir etwas Trost in der Eurovision. Es gibt viele gute Gründe, über den Song Contest die Nase zu rümpfen. Aber der Grand Prix war auch am Samstag wieder ein rührend pathetisches Europafest. Das Fahnenmeer im ausgelassenen, zusammengereisten Publikum erinnerte an die Last Nights of the Proms in London. Einige Sänger aus Staaten, die ich vergessen hätte, wäre ich gebeten worden, alle Länder Europas aufzuzählen, erinnerten daran, wie groß Europa ist, wie friedlich - und wie neu dies noch ist." (18.05.2009)


De Standaard - Belgien

Der Eurovision Song Contest sei das gelungenste Beispiel einer europäischen Zusammenarbeit, schreibt der Schriftsteller Oscar van den Boogard in der Tageszeitung De Standaard. Mit "schlechter Musik" könne man mehr erreichen als mit schlechter Politik: "Das Verbot der Homosexuellendemonstration am vergangen Samstag in Moskau zeigt, dass Schwule sich noch immer kräftig gegen ein Regime auflehnen müssen, das sie nicht akzeptiert. Ihre süße Rache war das Songfestival selbst. Mehr schwule Gegenkultur und ein größeres Publikum waren nicht denkbar. Der norwegische Gewinner Alexander Rybak sagte es so: 'Ich will es mal dabei belassen, dass das Timing der Parade nicht ideal war. Wir hatten hier doch heute Abend die größte Homoparade der Welt.' Kann das Songfestival die Wähler auch dazu bewegen, Anfang Juni ihre Stimme bei den Europawahlen abzugeben? Televoting ist einfach, aber bald ins Wahlbüro zu gehen, ist 'sooo schwierig'. Was meinen die Politiker genau mit Europa? Nur ein Junge mit einer Geige, der über ein Märchen singt [Rybak mit seinem Song Fairytale], beflügelt wirklich die Phantasie." (18.05.2009)


Sega - Bulgarien

Der Eurovision Song Contest sei ein politisch kontrollierter Wettbewerb, schreibt die Tageszeitung Sega. Ein Beispiel dafür sei ein georgisches Lied, das wegen seines Textes nicht zugelassen wurde: "Diejenigen, die behaupten, dass die Eurovision in diesem Jahr kein politisch manipulierter Musikwettbewerb war, sagen mit Sicherheit nicht die Wahrheit. ... In den Tagen vor und nach dem 17. März hat der Radiosender Echo Moskwy [Echo Moskaus] die Skandale um das Lied 'We don't wanna put in' verfolgt, das Georgien in Moskau hätte vertreten sollen. Selbst die Teilnahme dieses Landes an dem Festival hätte als Durchbruch gelten müssen, nachdem Georgien und Russland in Folge des militärischen Konflikts im vorigen Jahr ihre diplomatischen Beziehungen unterbrochen hatten. Am 17. März haben die Organisatoren den Georgiern jedoch unter dem Vorwand die Teilnahme verweigert, dass der Text die Beleidigung 'eines Staatschef' enthalte." (18.05.2009)


Eesti Päevaleht - Estland

Vor dem Hintergrund der leeren Kassen und der Wirtschaftskrise in Estland schreibt die Tageszeitung Eesti Päevaleht zum Eurovision Song Contest: "In diesem Kontext ist es auch gut, dass Urban Symphony sich am Samstag Abend bei der Eurovision in Moskau mit einem höflichen und vollkommen ehrenwerten sechsten Platz begnügt hat. Denn anders als das Königreich Norwegen könnte sich die Republik Estland - wie auch die anderen baltischen Staaten - nirgendwo das Geld für die Ausrichtung des [automatisch an den Wettbewerbssieger vergebenen] Finales im kommenden Jahr beschaffen. Diese Feier mit einem Kredit zu finanzieren würde bedeuten, sich wie der Bauerntölpel zu verhalten, der für die Hochzeit einen Kredit aufnimmt, obwohl er weiß, dass sich die jungen Liebenden schon getrennt haben werden, bevor die Schulden für den Luxus zurückgezahlt sind." (18.05.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 18. Mai 2009

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